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Nach Bustouren boomen heute die Kreuzfahrten

Heike Behrens (Mitte) führt seit 20 Jahren ein Reisebüro in Demmin und hat heute Franka Komm (links) und Ute Lange an ihrer Seite.  FOTO: Kirsten Gehrke
Heike Behrens (Mitte) führt seit 20 Jahren ein Reisebüro in Demmin und hat heute Franka Komm (links) und Ute Lange an ihrer Seite. FOTO: Kirsten Gehrke

VonKirsten Gehrke

Heike Behrens hat sich von keiner Krise unterkriegen lassen. Nach 20 Jahren ist sie immer noch ihr eigener Chef eines Reisebüros.

Demmin.Die Reisebranche war zuerst gar nicht ihr Ziel. „Ich bin eigentlich Ingenieur für Chemieanlagenbau“, sagt Heike Behrens. Zum Geschäft mit dem Urlaub kam sie eher zufällig, als sie sich nach der Wende und Babypause neu orientieren musste. „Das hat sich so ergeben.“ Die heute 49-Jährige hatte 1991 die Wahl, ob sie auf Reiseverkehrskaufmann umschult oder auf Speditionskaufmann. Sie hat sich für Ersteres entschieden und darüber ist die Demminer heute froh. Immerhin hat sie in diesem Beruf 20 Jahre durchgehalten. „Das ist in unserer Branche nicht ohne“, muss sie selbst zugeben.
Als sie 1993 ihr Reisebüro in der Innenstadt eröffnete, war vieles leichter. „Na ja, ich wusste ja nicht, was auf uns zukommt, das war ein Vorteil.“ Finanzamt, Berufsgenossenschaft, IHK (Industrie- und Handelskammer) – damit umzugehen, lernte sie erst später kennen. Völlig unbefangen ging sie in ihr zweites Berufsleben. Heute hat sie Erfahrung, kennt das harte Geschäft und beißt sich durch.
Dreimal zog sie innerhalb der Zetkinstraße um, bevor sie das heutige Haus gekauft und im Sommer 2002 ihr Reisebüro eingerichtet hatte. An die Anfangsjahre kann sie sich noch gut erinnern. „Damals haben die Leute alles genommen, sind mit dem Bus nach Spanien gefahren, heute sind sie anspruchsvoller“, weiß Heike Behrens. Im Moment boomen Kreuzfahrten, vor allem Ältere buchen auch verstärkt Kur-Urlaub im polnischen Kolberg (Kolobrzeg). Was der Demminerin auffällt ist, dass früher mehr jüngere Leute zu ihr ins Reisebüro kamen.
Anfangs boomte ihr Laden. „Ende der 1990er-Jahre wurde es anders, die Leute guckten genauer hin.“ Statt Spanien und Bulgarien seien die Türkei, Griechenland, Ägypten, die Kanaren immer beliebter geworden. Die Leute fuhren nicht mehr mit dem Bus, sondern stiegen aufs Flugzeug um. Auch Fernreisen, wie in die USA oder nach Kanada, waren gefragt.
Die Geschäfte liefen gut, bis zu jenem 11. September 2001 in New York, als Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers geflogen waren. „Das war für uns verheerend, danach gab es einen Knick“, sagt Heike Behrens. Die Leute wollten nicht mehr in ein Flugzeug steigen. Und gleich hinterher kam der Euro. Von der Währungsumstellung habe sich die Wirtschaft bis heute nicht erholt.
„Seitdem es den Euro gibt, ist es sehr schwer“, gibt die Geschäftsfrau zu. Aber aufgeben galt für sie nie. „Am Ende bleibt dann weniger für uns übrig.“ In Demmin gebe es mit Reiseveranstaltern der Vereine und Verbände, wie Caritas, Volkssolidarität oder BRH, zudem eine große Konkurrenz.
Deshalb pflegt Heike Behrens ihre Stammkunden, die mit ihrer Mund-zu-Mund-Propaganda auch mal neue Kunden ins Büro bringen. „Es ist kein Selbstläufer“, stellt Behrens klar. Sie kümmere sich, gehe auf Dienstreisen in die Länder, die man bei ihr buchen kann, und schaue sich die Hotels an. „Dann kann ich das empfehlen.“ Das würden die Leute wissen und dies schätzen.
Seit anderthalb Jahren hat sie auch die Post im Laden. „Das läuft gut“, meint sie. Mit Franka Komm und Ute Lange habe sie ein gutes Team.

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k.gehrke@nordkurier.de

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