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Nach Proteststurm: Neukalen sperrt sich gegen Windpark

VonTorsten Bengelsdorf

Über 1000 Unterschriften kann die Peenestadt nicht mehr ignorieren: Die Stadtvertreter knicken ein.
Doch ist das schon das Aus für Windpark-Pläne?

Neukalen.Jetzt wird die Luft dünn für Windkraft-Investoren in der Mecklenburgischen Schweiz. Nach Dargun sind sie jetzt auch im Umfeld von Neukalen nicht mehr unbedingt willkommen. Der Pfingst-Protestmarsch und weit über 1000 Unterschriften von Windpark-Gegnern haben die Stimmung in der Stadtvertretung Neukalens kippen lassen. Hatten die Abgeordneten vor vier Wochen noch verbissen an ihren Ansichten des Vorjahres festgehalten, nach denen eine 119 Hektar große Fläche im Bereich Schönkamp für die Windmühlen bestens geeignet sei, nahmen sie diesen Beschluss am Dienstagabend ohne große Diskussion wieder zurück. „Wir suchen natürlich den Dialog mit unseren Bürgern“, begründete Bürgermeister Willi Voß (CDU) die Kehrtwende vor den vollbesetzten Zuhörer-Sitzen.
Die Bürger-Initiative wertet den Stadtvertreter-Beschluss lediglich als einen kleinen Schritt. „Unsere Unterschriften-Aktion geht weiter. Die Listen liegen in vielen Geschäften in Neukalen, aber auch in Dargun und Malchin aus“, berichtete Friederike Antony. Die Unterschriften sollen später dem Amt für Raumordnung und Landesplanung übergeben werden, das die Planungen für neue Windkraftgebiete ausarbeitet.
Welchen Wert ein Stadtvertreter-Beschluss gegen Windkraftanlagen hat, ist indes umstritten. Die Stadt Dargun hatte bereits vor einigen Jahren die Tür für die Wind-Investoren zugeschlagen, die Gemeinden um Dargun herum, die heute zum Stadtgebiet gehören, schlossen sich diesem Beschluss an. „Wir zeigen damit jedem potentiellen Investor, dass er bei uns auf Widerstand stößt“, meint Bürgermeister Karl-Heinz Graupmann (Die Linke), auf dessen Stadtgebiet, das von Groß Methling bis Zarnekow reicht, bis heute nicht ein einziges größeres Windrad steht. „Das hat schon Gewicht, wenn eine Kommune an den Planungsverband herantritt“, ist Graupmann überzeugt.
Für das Amt für Raumordnung und Landesplanung Mecklenburgische Seenplatte bedeutet der Neukalener Beschluss erst einmal gar nichts. Die Haltung der Peenestadt zur Windkraft sei jetzt wieder „auf Null gestellt“. Zu der Unterschriftensammlung müsse sich das Amt erst einmal eine Meinung bilden, wie dieses Bürgervotum ins Gewicht fallen könnte. „Mehr als 1000 Unterschriften – so drastisch hatten wir das noch nicht. Das ist eine neue Qualität“, hieß es aus dem Raumordnungsamt.

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t.bengelsdorf@nordkurier.de

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