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Nachtfalter schwirrt jetzt auch den Kreispolitikern um die Ohren

VonGeorg Wagner

Seit Jahren spürt das Forstamt Poggendorf in seinen Wäldern dem Eichenprozessionsspinner nach.

Demmin/Poggendorf.Die „Gefahr“, weiß der Leiter des Forstamtes Poggendorf, Dr. Thomas Gottlob, kommt von Süden. Von dort arbeitet sich der Eichenprozessionsspinner heran. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim soll er bereits aktiv sein und auch den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hat der Nachtfalter offenbar schon erreicht. Seine Raupen sind mit Nesselhärchen bewehrt, die besonders für Allergiker unangenehm sind. Wie weit aber ist er? Das will die CDU-Kreistagsfraktion genau wissen.
Sie stellte eine Anfrage an den Landrat, in der es um die Ausbreitung des Insekts in der Seenplatte ebenso geht wie um mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen und die Bekämpfung des unscheinbaren Nachtfalters, genauer gesagt dessen Raupen. „Wir sind der Meinung, dass der Landkreis dafür ein eigenes Konzept benötigt“, erklärte der Fraktionsvorsitzende, Thomas Diener.
Von Landesseite her soll gegen die Tierchen offenbar „scharf geschossen“ werden. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hat die Landkreise angewiesen, sich dem Thema jetzt zu stellen. In betroffenen Regionen müsse der Schädling per Hubschrauber und mit Handsprühgeräten mit Bioziden bekämpft werden. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim will schon auf den Hubschraubereinsatz setzen. Zum Unwillen der Grünen. Deren agrar- und umweltpolitische Sprecherin Ursula Karlowski hat die Entscheidung bereits scharf kritisiert. Vom Hubschrauber aus Gifte zu versprühen, die auch für andere Schmetterlingsarten tödlich seien, stelle eine Überreaktion dar. Im Verhältnis zur tatsächlichen Gefährdung durch den Eichenprozessionsspinner sei dieses Vorgehen nicht gerechtfertigt.
Ob auch das von der CDU-Fraktion in der Seenplatte geforderte Konzept gleich auf den Angriff aus der Luft setzen wird, ist gegenwärtig offen. Ohnehin ist die Frage, wo die Raupen bereits kriechen. Das Demminer Umland zumindest scheint noch frei von den Insekten zu sein. Das hat ein seit mehreren Jahren laufendes Monitoring des Forstamtes Poggendorf ergeben. Das Amt stellte in seinen Wäldern, darunter auch die Demminer Wendeforst, Duftfallen für die Insekten auf. Bislang seien sie alle leer geblieben, berichtet Forstamtsleiter Thomas Gottlob. „Noch sind sie nicht hier.“
Er will aber auch die von den Eichenprozessionsspinnern ausgehende Gefahr nicht überzeichnen. Zwar könnte eine „sehr fragile Haut“ allergisch auf das Gift in den feinen Nesselhaaren der Raupen reagieren, doch bei Nicht-Allergikern wirke es eher wie Brennnesseln.
Für den Wald wiederum stellen die Eichenprozessionsspinner laut Gottlob in der Regel keine Gefahr dar. „Sie gehören eigentlich zum Ökosystem dazu.“ Zwar fräßen die Raupen an Eichen den ersten Blatttrieb im Frühjahr kahl, doch die Bäume könnten dann noch einmal treiben. Sie würden lediglich mit einem geringeren Wachstum reagieren, sagt Gottlob. Absterben würden sie hingegen nur, wenn die Population der Eichenprozessionsspinner explodiere und mehrere Jahre nacheinander die gleichen Bäume befalle. „Dann werden die Bäume in der Regel noch durch Sekundärschädlinge geschwächt.“ Der Einsatz der für Nicht-Insekten ungefährlichen Biozide sei dann in der Regel für die Behörden die Ultima Ratio. „Das geschieht nur, wenn eine Massenvermehrung keine andere Lösung mehr zulässt.“

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