Von unseren Redaktionsmitgliedern Georg Wagner und Thoralf Plath
Joachim Gauck for President? In der Demminer Region hat der Kandidat aus dem Osten die Wahl in das höchste Staatsamt der Bundesrepublik schon gewonnen. Wenn auch nicht jeder begeistert ist.
Demmin.Fenseh-Talkshows schaut Katrin Krüger eigentlich schon lange nicht mehr, aber am Sonntagabend musste es mal wieder sein. Die überraschende Nachricht, dass sich die Parteien nun doch auf Joachim Gauck als gemeinsamen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl geeinigt hätten, war erst wenige Stunden alt, auch Talkmaster Günter Jauch konnte an diesem Thema nicht vorbei. „Das wollten wir denn doch mal sehen, wie die Runde das diskutiert“, sagt die Pastorin aus Hohenmocker. Sie selbst freut sich, dass Joachim Gauck nun doch noch einmal und von breitem Konsens getragen kandidiert, das hätte sie ihm schon im ersten Wahlgang gewünscht. „Das ganze Theater mit Wulff hätte man sich sparen können.“ Mit Gaucks Kandidatur verbindet sie sehr konkrete Wünsche. „Ich hoffe, dass er als Bundespräsident das Amt so nutzt, dass Bürger wieder Lust bekommen auf Demokratie und darauf, sich einzumischen und Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen.“ Ihre Hoffnung verbindet die Pastorin mit der Biografie Gaucks: Er kommt aus der ostdeutschen Bürgerbewegung. Diese politische Wurzel hat er nie verleugnet, Parteien zu Munde reden war ihm stets zuwider. „Ich würde mir wünschen, dass er so unangepasst bleibt und Dinge auch sagt, auch wenn sie unbequem sind. Ich glaube, das wünschen sich viele Menschen vom Bundespräsidenten. Seine Macht ist die Macht des Wortes. Da ist mir von Herrn Wulff, von seiner Islambemerkung mal abgesehen, nichts im Gedächtnis geblieben.“ Das einzige, was ihr „Bauchschmerzen bereitet“, wie sie sagt, ist Gaucks Alter. „Er ist hoffentlich noch fit genug.“ Über diesen Punkt macht sich Siegfried Konieczny (Die Linke) die wenigsten Gedanken. „Eine gewisse Alterswürde ist in diesem Amt vielleicht sogar von Vorteil.“ Ein „eher ambivalentes Verhältnis“ hat Konieczny zu manchem, was Gauck politisch postuliert. „Immer wieder zuerst die Eigenverantwortung des Bürgers in der Gesellschaft zu betonen, greift mir zu kurz. Der Staat hat eine soziale Verantwortung, die zu vernachlässigen, ist gefährlich. Ich wünsche Joachim Gauck, dass er die Kraft hat, das Amt des Bundespräsidenten mit einer differenzierten Sicht wahrzunehmen und die richtigen Signale in einer schwierigen Zeit zu senden.“ Ob er das schaffen wird, da hat Roland Thoms inzwischen seine Zweifel. Der altgediente Sozialdemokrat hatte im Jahr 2010 noch hinter Gauck gestanden. Mittlerweile aber, das sagte Thoms bereits nach Wulffs Rücktrittserklärung, hat sich seine Sicht auf den früheren Bürgerrechtler relativiert. Schuld sind dessen Äußerungen zur Finanzkrise. Da habe er den Eindruck bekommen, dass Gauck „keine Ahnung von Wirtschaft“ habe. Sein Parteigenosse Guido Fröschke, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Demmin, hat da eine andere Sicht auf die Person Joachim Gauck. „Ich finde die Wahl total gut“, sagt er. Gut sei auch, dass der Kandidat von einem großen Konsens getragen werde. „Als Mensch ist Joachim Gauck außerordentlich richtig.“ Das Amt müsse jemand übernehmen, der auch um die Nöte und Ängste der einfachen Leute wisse und in der Lage sei, die verschiedenen Gruppen zusammenzuführen. „Das, glaube ich, kann er.“ Obwohl, das gibt Fröschke zu, eines wäre ihm noch lieber gewesen: Eine Frau an der Spitze des Staates wie beispielsweise Petra Roth. So weit geht die frühere Landtagsvizepräsidentin Renate Holznagel (CDU) nicht. Sie ist derzeit im Urlaub und hat die ganze Entwicklung aus der Ferne verfolgt. Sie sei froh, dass jemand gefunden wurde und „dass er doch so klar nominiert wurde.“ Gauck sei ein Mann, der seine Besonderheiten und Verdienste habe. „Für ihn ist das eine große Auszeichnung.“
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