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Regionalstellen haben für Liberale und Freie ausgedient

VonGeorg Wagner

Überprüfung der Hartz-IV-Mieten, Home Office statt Büro - bei der zukünftigen Haushaltsplanung sieht die Kreistagsfraktion FDP/FW/WGLR einige Sparpotenziale.

Demmin.Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wird es sich nach Einschätzung der Kreistagsfraktion von FDP, Freien Wählern und Wählergemeinschaft Ländlicher Raum (FDP/FW/WGLR) längerfristig nicht leisten können, in allen ehemaligen Kreisstädten Regionalstandorte der Kreisverwaltung aufrecht zu erhalten. Das erklärte Fraktionsvorsitzender Toralf Schnur nach der Klausurtagung seiner Fraktion am Sonnabend in Demmin.
Dabei hatte sie sich schwerpunktmäßig mit dem neuen Haushalt des Landkreises beschäftigt und als einen der zukünftigen Schwerpunkte die Überprüfung der zukünftigen Personalstruktur herausgearbeitet.
Die Fraktion sei dafür, verstärkt sogenannte Home Office Arbeitsplätze einzurichten, berichtete Schnur. Dabei arbeiten die Beschäftigten von zu Hause aus. Auf diese Weise würden weniger Fahrtkosten und -zeiten anfallen, manche Räume würden nicht mehr benötigt und Miete gespart, sagte er. „Es kann nicht sein, dass Stellen auf der Straße liegen und das Potenzial der Mitarbeiter durch Fahren verschwendet wird.“ Mit Home Office könne hier die Effizienz gesteigert werden. "Die Wirtschaft macht es uns doch vor." Um die Bürgernähe in stark frequentierten Bereichen zu erhalten, sei zu überlegen, Aufgaben an die Ämter und Städte zu übertragen und gemeinsam mit den Kommunen Bürgeranlaufstellen einzurichten. Auf diese Art, meint Schnur, könnte der Kreis langfristig Personalkosten sparen, während die Kommunen kein Personal abbauen müssten und ihnen auch keine exorbitant hohen Kosten entstünden. Darüber hinaus sieht Schnurs Fraktion laut Vorsitzendem ein „erhebliches Potenzial“ für Einsparungen bei den Kosten der Unterkunft (KdU), die der Kreis für die Empfänger von Arbeitslosengeld II zahlen muss. Dafür müsse die Richtlinie, nach der sich die zu zahlenden Bruttokaltmieten richten, „bedarfsorientiert umgesetzt“ werden.
Die derzeitige Richtlinie - sie war erst Anfang des Jahres in Kraft getreten - bezeichnete Schnur als „eine einzige Katastrophe für den Haushalt. Sie wird den Kreis in die Knie zwingen.“ Als Beispiel nannte er Waren, wo die Stadt erheblich niedrigere Vergleichsmieten errechnet habe als der Kreis.
Etwa 20 Prozent des Fehlbetrages im Haushalt, schätzt er, könnten so eingespart werden. Man müsse aber auch schauen, ob sich in Zukunft Aufgaben streichen ließen, etwa Zuschüsse für manches Museum oder andere Einrichtungen und darüber nachdenken, ob zukünftig die eine oder andere der rund 1000 Kilometer Kreisstraßen zurückgebaut werden kann. Dabei ist sich die Fraktion offenbar möglicher Reaktionen bewusst. „Irgendjemandem wird es weh tun, aber es geht nicht anders“, sagte Schnur. „Wir wissen, dass wir damit keine Jubelstürme ernten.“

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g.wagner@nodkurier.de

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