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Roidiner holen ihre Kirche aus dem Winterschlaf

Küsterin Ramona Söffky saugt den Altar ab. Im Laufe des Winters hat sich viel Staub angesammelt.  FOTOs: Kirsten Gehrke
Küsterin Ramona Söffky saugt den Altar ab. Im Laufe des Winters hat sich viel Staub angesammelt. FOTOs: Kirsten Gehrke

Von Kirsten Gehrke

Wenn der Dorfclub zum Frühjahrsputz nach Roidin ruft, dann kann er sich auf die Dorfbewohner verlassen. Die haben nun wieder die Kirche im Ort geputzt.

Roidin.Am Altarbild hängt in der rechten Ecke oben noch Spinnweben. „Frank, kannst du die noch wegmachen?“, fragt Gisela Schönbeck und lässt sich beim Putzen des Altars nicht weiter stören. Frank Barke nimmt den Besen. Die anderen Weben im Kirchenschiff oder an den Fenstern hat er bereits entfernt. Währenddessen wischen Carola Wellsandt und Heike Barke die Kirchenbänke mit Fit-Wasser ab. Küsterin Ramona Söffky schnappt sich den Staubsauger. Draußen liegt schon der Kokosläufer zum Ausklopfen. Drinnen wirbeln Roidiner beim Fegen den Staub auf. Es geht alles ruckzuck. Je mehr Hände mit anpacken, um so schneller wacht die kleine Kirche in Roidin aus dem Winterschlaf auf. „Dieses Jahr sind wir ganz schön spät dran“, meint Gisela Schönbeck, Vorsitzende des Dorfclubs Teusin/Roidin, der wieder zum Frühjahrsputz aufgerufen hat. „Viele Hände machen der Arbeit bald ein Ende, sagt man ja.“ 15 Leute machen mit. „Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wenn man in dem Dorf lebt“, sagt Erhard Söffky und pult Kalkreste aus dem Teppich. Er sei in Roidin geboren, auch hier getauft und konfirmiert. Da sei es Verpflichtung für ihn, beim Großreinemachen dabei zu sein. Auch Gabriele Hoffmann hat sich das gesagt. Sie ist zum ersten Mal dabei. „Ich wurde angesprochen“, erzählt sie. „Ich finde das eine gute Sache, deshalb mache ich mit. Hier läuft noch das dörfliche Zusammenleben gut.“ Sich treffen, ist ein schöner Nebeneffekt. Die Nachbarin hat Kerstin Kobernuß mitgenommen und Rosemarie Kühn kam sogar aus Teusin angeradelt. Für alle ist es wichtig, dass die Kirche im Dorf erhalten bleibt.
Das hatte sich auch der Dorfclub 2007 auf die Fahnen geschrieben. Denn in jenem Jahr waren die Schotten des Gotteshauses schon mal dicht. Der Verein wollte das nicht einfach so hinnehmen und hat versucht, in Absprache mit der Pastorin wieder Leben in die Kirche zu bringen. Die Mitglieder legten eine Gesprächsreihe auf, in der zu verschiedenen Themen diskutiert werden. Konzerte fanden statt, wie schon mit dem Klenzer Männerchor. Zudem bringen die Roidiner jedes Jahr im Frühjahr die Kirche wieder in Schuss, machen sauber und räumen auf, so dass auch wieder Gottesdienste nach dem Winter hier stattfinden können. Der erste in diesem Jahr soll zu Pfingsten eine Hochzeit sein.
In ihrem Inneren trägt die Kirche etwas Besonderes in sich. Im Altar wird nicht nur die Anbetung des Jesuskindes dargestellt, sondern es sind auch die Mitglieder der Maltzahnschen Familie abgebildet. Baron von Maltzahn hatte nach 1866 den Bau der Kirche in Gang gesetzt.
Der Dorfclub will weiter versuchen, kulturelle Höhepunkte im Gotteshaus zu organisieren. Die Kirche ist geputzt, der Weg dorthin von Unkraut befreit.

Kontakt zur Autorin
k.gehrke@nordkurier.de

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