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Schock in der Szene: Mopedrennen abgesagt

Von unserem Redaktionsmitglied
Kirsten Gehrke

Fahrerteams wehren sich gegen das Aus des größten Events in der Hansestadt. Sie sammeln Unterschriften, damit die Tradition bleibt. Können Parkplätze über Sein oder Nichtsein bestimmen?

Demmin.Eigentlich wollten die Simson-Teams längst an ihren Mopeds schrauben, sie flott machen für das Event des Jahres. „Die Wüler“ sind aufgewühlt. Henry Koch vom „Osten rollt“ ist sauer. Felix Schliwa und Normann Ulrich vom Team Wotenick können gar nicht glauben, was sie auf der Homepage des MC Demmin gelesen haben. „Durch Zufall habe ich das gesehen, bestimmt haben das viele noch gar nicht mitgekriegt“, glaubt Schliwa. In diesem Jahr soll es nämlich kein Demminer Mopedrennen geben. Der Motorsportclub hat es abgesagt. Die Fahrer sind wütend. „Das Rennen ist deutschlandweit bekannt“, sagt Koch. Die Starter kommen aus der ganzen Republik, die Veranstaltung zog bis zu 1000 Zuschauer an. „Sonst ist Demmin nur als Hartz-IV-Stadt bekannt.“ Für die Jugend werde nicht viel geboten. Nun soll das bisschen auch noch kaputt gemacht werden? Von Jahr zu Jahr wurde das legendäre Mopedrennen beliebter. Immer mehr junge Leute, und nicht nur die, wollten die Runden auf der Crossbahn drehen. Die Zwei-Stunden-Rennen waren etwas Einmaliges und machten sie zu etwas Besonderem. Der Zulauf war so groß, dass die Teilnehmerzahl in den Starterfeldern begrenzt werden musste. Demmin mit seinem Mopedrennen hat sich einen Namen gemacht. Nun der Schock.
„Wir haben uns mit der Entscheidung schwer getan“, gibt Steffen Teetz, Vorsitzender des MC Demmin zu. „Aber die Sicherheit ist die Nummer Eins im Rennsport.“ Der Verein könne die Auflagen des Ordnungsamtes nicht mehr erfüllen. Es fehlen Parkplätze, sowohl für Zuschauer als auch für Teilnehmer. Im vergangenen Jahr beim 10. Rennen habe die Polizei dreimal das Rennen abbrechen wollen. Denn der Klenzer Weg sei so zugeparkt gewesen, dass es keine Rettungsgasse mehr gab. Die Leute haben den Ausweichparkplatz an der Tankstelle einfach nicht angenommen. Das Risiko wolle der Verein nicht eingehen, dass kein Krankenwagen zur Crossbahn durchkommt. Seitdem das Mopedrennen eine Großveranstaltung geworden sei, habe man immer mit Ordnungsamt und Polizei einvernehmlich einen Kompromiss gefunden, sei ein Auge zugedrückt worden. Aber damit sei nun Schluss. „Wir können die Verantwortung nicht übernehmen“, betont Teetz. Alternativen mit der Stadt seien nicht gefunden worden. „Es gibt keine freien Flächen.“
Für die Hansestadt kam das Aus offensichtlich genauso überraschend wie für Rennteilnehmer und Fans. „Dass der MC Demmin nach mehrjähriger Tätigkeit nunmehr die Auflagen des Ordnungsamtes nicht erfüllen kann, war dem Ordnungsamt zunächst nicht bekannt“, erklärt Bürgermeister Michael Koch (CDU). Erst nach Rücksprache mit dem Vereinsvorsitzenden habe man von dem Problem gehört. „Selbstverständlich hat die Stadt nach wie vor Interesse, dass diese Veranstaltung auch weiterhin stattfindet, allerdings müssen Auflagen verständlicherweise eingehalten werden, da die Rettung von Menschenleben immer Vorrang hat.“ Die Stadt habe leider nicht ausreichend Flächen vor Ort und könne über fremdes Eigentum nicht verfügen.
Die Simson-Teams wollen sich mit dem Aus nicht abfinden. Sie starten eine Unterschriftenaktion. Die „Wüler“ haben bereits rund 600 Unterschriften zusammen. Wie Henry Koch sagt, sind andere Teams unterwegs, Listen liegen zudem in der Stadt, unter anderem in der Bäckerei Bräsel und bei Norma. „Wir würden uns wünschen, dass sich die Mitglieder des MC mit der Stadt und den einheimischen Teams an einen Tisch setzen würden, um gemeinsam eine Lösung zu finden.“ Denn ganz abschreiben wollen die Simsons das Rennen noch nicht. Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung.

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k.gehrke@nordkurier.de

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