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Sonnenreiche Hansestadt: 2700 Module in luftiger Höhe

VonKirsten Gehrke

In Demmin finden sich für die Photovoltaik immer neue Plätze, so auch auf Dächern. Doch ein Leser vermutet, dass der Arbeitsschutz nicht eingehalten wird.

Demmin.Die Dächer der Wohnblöcke in der Demminer Pestalozzistraße erhalten gerade „eine zweite Schicht“. Monteure werkeln in luftiger Höhe und bauen für die bayerische Firma „Howaldt Energies“ Solarmodule auf. Die hat die Flächen von der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft gepachtet und lässt ein Stadtteilkraftwerk errichten, wie Firmenchef Kai Howaldt zu Nordkurier sagte. 2700 Module kommen auf 12 bis 13 Gebäude in Demmin.
Die ersten sollen bereits Mitte Mai ans Netz gehen, die nächsten Ende des Monats, wenn die Arbeiten wie geplant laufen. Howaldt ist kein Unbekannter in der Hansestadt. Er betreibt schon auf einer Freifläche im Meyenkrebs einen Solarpark. Wohl deshalb auch hat der Vermieter seine Dachflächen zur Verfügung gestellt.
Wie Roman Gau, Geschäftsführer der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft, erklärte, seien Flächen auf Blöcke nicht nur in der Pestalozzistraße, sondern auch in der Ernst-Moritz-Arndt-Straße, Kahldenstraße, Holstenstraße und Synagogenstraße zum Zweck der Energiegewinnung verpachtet worden. Einigen Anwohnern scheint das nicht zu behagen. Am Direkten Draht der Demminer Zeitung schimpfte ein Leser, warum eine Firma aus Halle die Module anbringen muss und keine aus der Region. Zudem würden die Arbeiter den Arbeitsschutz nicht einhalten und frei auf dem Dach herumspazieren. „Ich habe den Zoll verständigt und auch die Arbeitssicherheit“, meinte er verärgert.
Vorarbeiter Jan Pötsch von 3nergy-components wollte sich die Jacke jedoch nicht anziehen. Am Dienstag sei eine neue Baustelle eingerichtet worden. Eine Kette zur Absperrung zwei Meter entfernt vom Dachrand sei installiert worden. „Das fordert der Sicherheitsschutz so“, sagte er. Er vermutete vielmehr, dass Anwohner mit dem Montagelärm ein Problem haben. Dabei habe der Vermieter rechtzeitig über einen Aushang in den Eingängen über die Bauarbeiten informiert. Helme auf dem Dach brauche man nicht. Die seien nur erforderlich bei schwebenden Lasten oder wenn etwas auf den Kopf fallen kann. Sie aber würden kniend bauen.
Auch Kai Howaldt ließ nicht die Kritik stehen, nur Fremde würden in Demmin bauen. Das Hallesche Unternehmen ja sei ein Generalunternehmen mit dem sie gut zusammenarbeiten. Das koordiniere die Arbeiten vor Ort. Aber auch Leute aus der Region seien beschäftigt. So kümmere sich die E.ON edis, die in Demmin ihren Sitz hat, um den Netzanschluss, eine heimische Elektrofirma um die Anschlüsse für die Starkstromleitung. Für die spätere Wartung und Überwachung der Anlagen werde auch ein Subunternehmen aus Demmin zuständig sein. „Nach Möglichkeit versuchen wir lokale Betriebe einzusetzen“, so Howaldt. Er sehe in den Photovoltaikanlagen auf den Dächern eine sinnvolle Sache. So würde der Strom, der vor Ort erzeugt wird, dort auch verbraucht, die Netze könnten hier entlastet werden. Vor den Häusern stehen kleine Anschlussstationen. Dass es nicht ausreichend Sonne in der Hansestadt geben könnte, dass befürchtet der Bayer nicht. Laut einer Liste sei die Sonneneinstrahlung hier sehr intensiv. „Das ist eine gute Region.“

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k.gehrke@nordkurier.de

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