Sozialpädagogin Gabriela Domonell (links) liest den Besuchern in der Tagesstätte „Sonnenseite“ eine Geschichte zur Entspannung vor und nimmt sie mit auf eine virtuelle Reise. FOTO: Jana Otto
Von unserem Redaktionsmitglied Jana Otto
Menschen mit psychischen Erkrankungen können in der Tagesstätte „Sonnenseite“ wieder Wege in ein selbst bestimmtes Leben finden. Nun auch in frisch renovierten Räumen.
Demmin.Sich selbst anzunehmen und zu erkennen, dass das eigene Leben durchaus positive Seiten zu bieten hat, fällt Menschen mit psychischen Erkrankungen besonders schwer. Einen Anlaufpunkt finden diese Menschen in Demmin am August-Bebel-Platz. Hier unterhält der Pommersche Diakonieverein eine Tagesstätte für psychisch Kranke sowie eine offene Begegnungsstätte für deren Angehörige. „Viele kommen mit einem sehr negativen Welt- und auch Selbstbild hierher“, weiß Sozialpädagogin Veronika Laudahn. Diese verschobene Selbsteinschätzung zu verändern und zu erreichen, dass sich die Betroffenen in einem positiveren Licht sehen, ist ein zentraler Ansatz des Teams in der „Sonnenseite“. Oftmals ist es bis dahin jedoch ein langer Prozess, der den Klienten viel abverlangt. Dabei versuchen die Sozial- pädagogen alle Einheiten eines Menschen anzusprechen, also sowohl die Psyche und den Körper, als auch die kognitiven und motorischen Fähigkeiten. Ein Baustein in diesem Gesamtgerüst ist das Anbieten von sportlichen Aktivitäten und auch Entspannung wird geboten. „Die meisten Klienten haben ein Problem damit, sich auf sich selbst zu besinnen und sich als vollwertige Person anzuerkennen. Ihnen fällt es schwer, zu akzeptieren, dass sie sich selbst auch mal etwas Gutes tun dürfen“, sagt Veronika Laudahn. Und dieses Gute kann beispielsweise die Entspannung sein. Die Räume, in denen Sozial- pädagogin Gabriela Domonell die Betroffenen mit auf Traumreisen nimmt oder ihnen Möglichkeiten der Muskelentspannung aufzeigt, sind gerade neu gestaltet worden und wirken mit ihren warmen Farben und gemütlichen Möbeln sehr einladend. Nach dem Brand in der benachbarten Bibliothek waren zwei Räume der Tagesstätte durch das Feuer und das Löschwasser so beschädigt worden, dass sie umfassend renoviert werden mussten und dadurch wieder zu den Orten geworden sind, in denen sich die innere Ruhe finden lässt. Und die neu gestalteten Räume werden von den Tagesstätten-Besuchern sehr gerne angenommen, auch wenn selbst Entspannung für sie zu einer Herausforderung werden kann. „Viele unserer Klienten befinden sich aufgrund ihrer Erkrankung in einem permanenten Erregungszustand. Sie müssen erst allmählich lernen, ihre Spannungen abzubauen“, erläutert Veronika Laudahn. Diese Techniken seien dafür eben besonders geeignet, um ein positives Körpergefühl zu entwickeln und sich dann schließlich selbst wieder wahrnehmen zu können. Und der Bedarf an professioneller Hilfe scheint weiter zu steigen, ebenso wie der Anteil immer jünger werdender Betroffener. „Bei uns in der Tagesstätte sind momentan alle Plätze belegt, aber einen Antrag stellen kann man immer“, sagt Veronika Laudahn. Für die Begegnungsstätte braucht es keine Bescheinigung, die Türen hier sind für Interessierte täglich von Montag bis Sonnabend von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet.