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Weltenbummler: Sein letzter Wille geschieht

VonGerald Gräfe

Der letzte Wunsch des ehemaligen Darguners Heini Schoknecht ging jetzt in Erfüllung: Seine Asche wurde daheim verstreut.

Dargun.Eine kleine Zeremonie kurz nach der Mittagsstunde auf dem Friedhof: An der Stelle der aufgelassenen Grabstätte von Helmut und Meta Schoknecht wurde ein Teil der Asche ihres Sohnes Heini ins Erdreich eingelassen. Dazu einige Blumen, Bilder und Texte in Erinnerung an den Verstorbenen, der 1945 vor der sowjetischen Armee aus seiner Heimat geflohen war.
Kai Fischer, der diese Zeremonie für seinen Mentor vornahm, berichtete: Nach dem Ableben habe der Freundeskreis beschlossen, die Asche an den wichtigsten Stationen seines Lebens zu verstreuen: in den Fluten des Lake Mead bei Las Vegas, im Cortes Sea beim mexikanischen La Paz, im französischen Reims auf dem Grab der Ehefrau – und zuletzt in der Geburtsstadt Dargun. „Seine Odyssee soll jetzt ein würdiges Ende finden“, betonte Fischer beim Verstreuen der Asche auf dem Grab der Eltern und anschließend im Wasser des Klostersees: „Vielleicht ist das in Deutschland illegal. Aber es wird so geschehen, um seinen letzten Wunsch zu erfüllen.“
Denn bei seinem Besuch 2009 bekannte Heini
Schoknecht: „Ich bin ein Darguner.“ Am liebsten solle seine Asche einmal im Klostersee ruhen und auf dem Grab der Eltern. Dem „Nordkurier“ erzählte er von seinem bewegten Leben: Als Textilverkäufer war er nach Kanada ausgewandert. Einen Tag arbeitete er dort in einer Goldmine und fand keine einzige Unze des begehrten Edelmetalls. Dafür häufte er später dank opulenter Trinkgelder das Gold kiloweise an. Das war dann schon in den USA, nach seiner Episode als Steward auf einem Kreuzfahrerschiff nach Alaska und nebenbei als Schmuggler von steuer-billigem Likör.
Im legendären „Dinos“ des ebenso legendären Dean Martin in Las Vegas fing Heiner Schoknecht, fortan nur noch „Hank“ gerufen, als Kellner an. Bis zum Veranstaltungsleiter des weltberühmten, teils auch mafiösen „Riviera Hotel“ arbeitete er sich hinauf. Er bediente Stars wie Elvis Presley, Frank Sinatra, Louis Armstrong und Harry Belafonte. Marlene Dietrich erlebte er als geizige „Zicke“, der er deshalb die Nerzstola vor die Füße warf: „Die Olle, die war verrückt.“ Tom Jones alias dem „Tiger“ brachte er das Wasserskifahren bei. Mit Engelbert Humperdinck freundete er sich an und betrieb gemeinsam mit dem Sänger ein Promi-Hotel in Mexiko.
„Ich wollte nie in die Ostzone“, bekannte der Mann und gestand dann doch ein: „Mich zieht es immer wieder nach Dargun.“ Seine Heimat wollte er wieder aufsuchen. Doch da ereilte den 78-Jährigen der Tod in der Ferne.

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