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Wenn aus der Vase eine Schale wird

VonJana Otto

Mit einer kleinen Katze fing alles an. Heute hat Christine Richter ein Hobby, das sie täglich aufs Neue begeistert und daran möchte sie andere teilhaben lassen.

Demmin.Sollten sich Besucher Hals über Kopf in eines von Christine Richters Keramik-Objekten verlieben, werden sie es nicht leicht haben. „Auch wenn andere über mich schmunzeln mögen: Ich kann sie nicht so ohne Weiteres verkaufen. Ich hänge einfach daran“, sagt sie fast entschuldigend. Und wer sich mit ihr über ihre Arbeiten unterhält, merkt schnell, dass Christine Richter keinesfalls kokettiert. Zu jedem ihrer Objekte hat sie eine persönliche Bindung, sie weiß genau, unter welchen Umständen es entstand. So beispielsweise eine kleine Katze, die Christine Richter bereits vor 30 Jahre erschuf. „Eines meiner ersten Keramikobjekte. Es entstand in einem Zirkel, der an der Malchiner Schule angeboten wurde“, erinnert sie sich. Zur damaligen Zeit arbeitete sie dort als Lehrerin, die Liebe zur Keramik begleitet sie fast ein ganzes Leben. Während ihres Berufsalltags blieb keine Zeit für die Pflege intensiver Hobbys, deshalb legte sie erst nach ihrer Pensionierung im Jahr 2006 so richtig los. „Für mich stand lange zuvor schon fest, dass mit dem ersten Tag etwas Neues beginnt.“ Und das von Grund auf. Die Garage auf dem Hof baute ihr Mann Stefan zu einer Werkstatt aus; er war es auch, der darauf bestand, gleich Nägel mit Köpfen zu machen und einen richtigen Brennofen anzuschaffen. „Als ich das sah, dachte ich im Stillen: Und was passiert, wenn ich das nicht mehr will?“ Heute kann sie darüber nur schmunzeln, denn Christine Richter ist eine leidenschaftliche Keramikerin, die für sich viel Kraft und Freude aus dem Hobby zieht. Sie fertigt, wie und was ihr gefällt „Ich bin da egoistisch und niemandem verpflichtet, nicht mal meinen eigenen Konzepten“, meint sie lachend. Denn bevor sie zum Ton greift, hat sie eine Skizze des neuen Objektes im Kopf. „Aber wenn es dann losgeht, verändert es sich immer. So kann aus einer Vase schnell mal eine Schale werden.“ Sie lasse diese Spontaneität zu und ist so selbst oft überrascht, was da schließlich aus dem Ofen herauskommt. In den allermeisten Fällen gefällt ihr das, was sie dann sieht. Doch ab und an braucht sie etwas mehr Zeit, die Schönheit der gefertigten Objekte zu entdecken. „Diese Sachen kommen dann erst einmal irgendwo in eine Ecke.“ Irgendwann jedoch schleichen sie sich wieder in ihr Bewusstsein, sie nimmt sie zur Hand und meistens kann sie dann nicht mehr verstehen, was sie daran eigentlich auszusetzen hatte. Achtlos eine Keramik weggeworfen hat sie noch nie. Manchmal hilft eine zweite oder dritte Glasur, bis es passt.
Christine Richter hat sich viel angelesen über ihr Hobby und um Rat gesucht bei anderen Keramikern, beispielsweise welcher Ton bei welcher Temperatur am besten gelingt. Die Antwort, die sie dann bekam, lautete meist: Das müssen Sie ausprobieren! Und wenn sie heute jemand das Gleiche fragt, dann bekommt er von ihr die selbe Antwort. „So ist das eben. Vieles kann man nur durch einen Versuch erfahren.“
Zum dritten Mal können sich Interessierte zu Pfingsten im Garten der Familie Richter und in der Werkstatt umschauen. Und da gibt es viel zu entdecken. „Keramik für den Garten steht in diesem Jahr im Mittelpunkt“, sagt Christine Richter. Sie freue sich schon auf den Austausch mit Interessierten und ist gern bereit, sich über die Schulter schauen zu lassen. „Es kommt drauf an, was die Gäste möchten.“ Doch sollten sie sich damit nicht zu viel Zeit lassen, denn die ehemalige Lehrerin wird nur am Sonnabend und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr an der Pfingstaktion teilnehmen. „Ich möchte doch auch mal woanders hin und mir etwas anschauen“, sagt sie.

Kontakt zur Autorin
j.otto@nordkurier.de

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