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Wenn durch eine Sanduhr Geld rieselt

Gesine Steinert, Philipp Boldt und Claudia Napierala (v. links) sind drei von 26 Gymnasiasten, die in der neuen Ausstellung im Finanzamt ihre Werke präsentieren.  FOTO: Kirsten Gehrke
Gesine Steinert, Philipp Boldt und Claudia Napierala (v. links) sind drei von 26 Gymnasiasten, die in der neuen Ausstellung im Finanzamt ihre Werke präsentieren. FOTO: Kirsten Gehrke

VonKirsten Gehrke

Wie schnell Zeit verrinnen kann, können Besucher des Finanzamtes Malchin in einer neuen Kunstausstellung von Demminer Gymnasiasten sehen.

Demmin.Die Vorstellung scheint bedrohlich. Die Zeit als Währung der Zukunft, sie zerrinnt und läuft ab. Dann gibt es kein Leben mehr. Elftklässler des Demminer Goethegymnasiums setzten im Kunstkurs genau das auf Leinwand um. Dabei ließen sie sich von dem amerikanischen Film „In Time - Deine Zeit läuft ab“ mit Justin Timberlake inspirieren. Wie Gesine Steinert aus Düvier erzählt, beschreibt der Streifen eine neue Form des weltweiten Wirtschaftssystems in der Zukunft. Währung werde durch Lebenszeit ersetzt, die wie Geld verdient, ausgegeben, verschenkt oder gestohlen werden kann. Die Alterung höre bei 25 Jahren auf.
Eine implantierte Uhr in den Unterarm als Countdown zeige den Menschen ihre Lebenszeit an. Gesine wählte für ihr Bild als Hauptmotiv eine Sanduhr. Durch die fließt kein Sand, sondern Geld. „Deshalb heißt mein Bild auch ,Zeit ist Geld'“, erklärt die 17-Jährige. Die Sanduhr schwebt im All zwischen den Planeten. „Zeit als Universelles.“ In der Umsetzung wählte sie für die Sterne Drip-Painting (Tropfenmalerei), die der amerikanische Maler Jackson Pollock erfand. „Den Effekt finde ich schön“, meint Gesine. Sie habe weiße Farbe auf die Leinwand gespritzt und es dem Zufall überlassen, wo die Sterne in ihrem Bild leuchten. „Das passt und ist realistischer.“
Bei Claudia Napierala aus Schönfeld symbolisiert eine Uhr das Leben, das ausgehaucht wird von der Seele. Viel zu viel werde sich mit Geld beschäftigt, um überleben zu können. Angeregt vom phantastischen Naturalismus stellte sie die Seele mit Glitzerstaub dar. Der schwarze Hintergrund soll das Bedrohliche zeigen, wenn die Zeit abläuft.
Philipp Boldt hingegen ging ganz anders an das Thema heran. Seine Wahrnehmung ist nicht düster, sondern schrill und lebensfroh. „Ich habe mich von Lady Gaga inspirieren gelassen“, sagt der Demminer. Seine Uhr hat bewusst keine Zahlen, der Hintergrund hat pastell zarte Töne. Er deutet das Kleid von Lady Gaga an, dass es wirklich in der Kombi schwarz-gold gibt. „Gold ist ja praktisch Währung“, meint Philipp. Auch der blaue Schuh seines Idols bringt er als Farbtupfer auf seinem Bild unter. Für ihn dreht sich das Leben weiter. Er wolle eine positive Botschaft rüberbringen.
Insgesamt 26 Werke sind im Kunstkurs entstanden. Ab heute sollen sie im Finanzamt Malchin ausgestellt werden und bis Ende November zu sehen sein. Wie Kunstlehrerin Jana Balje sagt, sei die Schnelllebigkeit und der Jugendwahn das zentrale Thema.

Kontakt zur Autorin
k.gehrke@nordkurier.de

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