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Wetter, Moore und falsche Politik

Disput am Feldrand: Bauernverbandschef Hans Behn (rechts) diskutiert mit dem SPD-Landtagsabgeord neten Thomas Krüger (links). [KT_CREDIT] FOTOs: Iris Diessner
Disput am Feldrand: Bauernverbandschef Hans Behn (rechts) diskutiert mit dem SPD-Landtagsabgeord neten Thomas Krüger (links). [KT_CREDIT] FOTOs: Iris Diessner

VonIris Diessner

Ist der lange Winter den Kulturen auf den Feldern noch anzumerken? Dies und anderes sollte bei der Feldbegehung des Bauernverbandes Malchin beantwortet werden.

Dargun.Lange mussten die Landwirte in diesem Jahr warten, bis sie mit den Feldarbeiten beginnen konnten. Bis weit in den März lag der Schnee. „Aber die Natur hat die Verzögerung im Wachstum mittlerweile gut aufgeholt“, meint Hans Behn, der Vorsitzende des Malchiner Bauernverbandes.
Der hatte seine Mitglieder zur jährlichen Feldbegehung eingeladen. Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Krüger ist wieder mit dabei. Eine gute Gelegenheit des agrarpolitischen Sprechers seiner Fraktion, sich selbst ein Bild zu machen und mit den Bauern ins Gespräch zu kommen. Das dreht sich nicht nur um das Wetter und seine Auswirkungen auf die Landwirtschaft. „Dagegen können wir ja wenig tun, was man ja gerade wieder in den Hochwassergebieten erlebt“, sagt der Verbandsvorsitzende. Menschengewollte Überflutung ist es, die einen lebhaften Disput heraufbeschwören. Am Rande des Großen Rosin machen die Landwirte Halt. Hier ist ein Niedermoorgebiet großflächig renaturiert worden. Früher mal die Futtergrundlage für das Milchvieh in Wagun. Natürlich sei der Polderbetrieb unwirtschaftlich gewesen, aber das könnte sich schon bald wieder ändern, meint Dietrich Jänicke vom Landwirtschaftsbetrieb Dargun. Denn es werde Biomasse gebraucht zur Energiegewinnung. Dass nicht nur landwirtschaftliche Nutzfläche verloren ging, erläutert Dr. Heike Müller, die Geschäftsführerin des Malchiner Bauernverbandes. Auch angrenzende Weideflächen seien stark vernässt. Außerdem habe der Bestand an Kranichen und Gänsen stark zugenommen. Wildschweine hätten sich diese Flächen als ideale Rückzugsgebiete erkoren und seien dort nur schwer zu jagen. Sie erinnert an die Verwüstungen, die diese Tiere im vergangenen Jahr bei Zarnekow angerichtet hatten. „Die Zeche zahlen wir Landwirte“, meint sie. „Wir fassen die Niedermoorgebiete falsch an“, bekräftigt Hans Behn. Da bewege sich zuwenig in der Politik. Das will Thomas Krüger so nicht stehen lassen. Dass Moor renaturiert werde, könne doch nicht falsch sein. „Nur im vernünftigen Umfang muss es geschehen“, räumt er ein. Doch erstmal geht es weiter. „Hier hat bis vor ein paar Wochen auch noch das Wasser gestanden“, erzählt Steffen Ernst von der Saatgutfirma KWS an deren Versuchsflächen. Da war aber das Wetter schuld. Doch die Zuckerrüben hätten sich gut gemacht, wenn sie auch im Schnitt noch etwa drei Wochen zurück seien, meint er und erklärt die Sorten, die hier angebaut wurden. „So eine Feldbegehung ist immer wieder spannend“, sagt Hans Behn abschließend. Auf die Aussichten für das Erntejahr wolle er sich aber nicht festlegen. „Wie heißt es so schön, die Küken werden im Herbst gezählt.“

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i.diessner@nordkurier.de

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