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Wird Demmin langsam zur Geisterstadt?

Das Schuh- und Sportgeschäft Sielaff hat Ende März geschlossen. Was ein neuer Eigentümer daraus macht, ist noch unklar.
Das Schuh- und Sportgeschäft Sielaff hat Ende März geschlossen. Was ein neuer Eigentümer daraus macht, ist noch unklar.

Gewerbefläche zu vermieten, wegen Eigentümerwechsel geschlossen, Laden zu vermieten, wir sind umgezogen ... Die Innenstadt von Demmin blutet langsam aus, so scheint es. Vom Bebelplatz bis Luisentor stehen viele Schaufenster leer. In etwa 15 Läden tut sich nichts. An einigen Scheiben sind die Schriftzüge schon verblasst, die Käufer oder Mieter anlocken sollen. Während in anderen Städten die Geschäfte florieren, passiert in Demmin offenbar genau das Gegenteil. Und jetzt hat auch noch das Schuh- und Sportgeschäft Sielaff in der Zetkinstraße geschlossen. Zum
31. März meldete Peter Sielaff sein Gewerbe ab, schweren Herzens. „Irgendwann muss man loslassen“, meint er. „Es ist mit Schmerzen verbunden.“ Es sei nicht einfach, aber das Leben sei endlich. „Ich werde 67, dann muss Schluss sein.“ Er will von seinem Rentnerleben noch etwas haben, Tennis spielen und viel lesen.

Im Dezember 1990 hatte Peter Sielaff das frühere Zickzack-Kaufhaus der HO gekauft und als Schuh- und Sportgeschäft weitergeführt. Über 20 Jahre später wird es nun in der Hansestadt keine Sportartikel mehr geben. Demmin verliert. Sielaff hätte sich gewünscht, dass eines seiner Kinder das Geschäft übernimmt. Die hätten zwar beide Betriebswirtschaft studiert, aber längst in anderen Gegenden gute Jobs. Der Geschäftsmann will nun verkaufen. Interessenten habe er genug. „Jetzt muss nur noch alles in Tüten und Papier gebracht werden“, sagt er. Er bedauert es, dass er es nun nicht mehr in der Hand hat, was aus dem Laden wird. Ein Interessent, der weiter Schuhe und Sportartikel verkaufen wollte, sei abgesprungen, weil es bei den Banken nicht mit der Finanzierung geklappt hat. „Nun steht es nicht mehr in unserer Macht, leider, das ist traurig.“

"Der Staat lässt uns nicht leben"

Schräg gegenüber hatte indes im Februar bereits ein anderes Traditionsunternehmen dicht gemacht, die Bäckerei Gutzmer. Dort regt sich wieder Leben, aber nur für kurze Zeit. In einem Flohmarkt im einstigen Café werden seit dieser Woche übrig gebliebene Dinge verkauft – Geschirr, Dekoration, Accessoires. „Es ist schwer loszulassen“, gesteht Heidi Gutzmer ein. 44 Leute hat die Bäckerei einst beschäftigt. „Aber es ging einfach nicht mehr, der Staat lässt uns nicht leben.“ Eine Cousine aus Köln sieht die Entwicklung in Demmin auch mit Erschrecken. „Das ist so eine schöne Gegend hier“, meint Edith Rausch. Es sei schade, dass sich hier nichts vermarkten lasse. In Köln dagegen boome alles, das sei nicht zu vergleichen. „Dort ziehen auch immer mehr zu, gibt es kaum noch Wohnraum.“

Aus Demmin ziehen die Leute eher weg. Die einstige Markthalle steht leer, drei Läden im Rheinischen Hof, zwei Läden neben dem Gericht, eines in den Kaskaden, seit Langem schon das alte Jola-Kaufhaus, in der Nähe ein weiterer Laden. Dazwischen prägen ein leeres Postgebäude und ein vernageltes Amtsgericht das Stadtbild. Wohin soll das bloß führen? Demminer befürchten, dass ihre Stadt zur Geisterstadt wird.

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