
| Literatur |
von Georg Wagner
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Fritz Reuter sei besonders schwer zu verstehen. Alt und alles durchweg auf Platt geschrieben. Davor warnt Dietrich Lübbert gleich zu Beginn und setzt den besonders schwer zu verstehenden Niederdeutsch-Dichter an den Anfang seines Abends. Kurze Gedichte hat er aus seinen teils schon antiquarischen Büchern ausgesucht, gereimte Anekdoten, die alle ein Thema verbindet. „Weil ich Pastor bin, fangen wir mit Pastoren an“, witzelt Lübbert vor seinem Auditorium. „Pastoren sind ja manchmal merkwürdige Wesen und das werden wir in diesen Läuschen merken.“
Der aus Loitz stammende Seelsorger im Ruhestand, der beruflich in Daberkow und Lubmin wirkte, gibt sich ruhig. Ein heiteres Lächeln huscht über sein Gesicht und sitzt ihm in den Augen, während er die Runde so in den Abend einführt. Frauen und Männer, die in der Pensiner Winterkirche zusammengekommen sind, um Lübberts Lesung aus plattdeutscher Literatur bei Gebäck und Tee zu genießen. Die Vorfreude auf das, was kommen wird, ist ihnen anzumerken und schon bei der Einführung gibt es erste Heiterkeit. „Ich spreche nur von Pastoren“, sagt Lübbert weiter, „denn zur Zeit Reuters hat noch niemand an Pastorinnen gedacht.“
Plattdütsch in de Kirch
Dietrich Lübbert weiß, wovon er redet. Aufgewachsen in einer Loitzer Pastorenfamilie war er von Kindesbeinen an mit dem Plattdeutschen vertraut, das bei ihm zu Hause gesprochen wurde. Von da führte ihn der Weg zur niederdeutschen Literatur und zum Arbeitskreis „Plattdütsch in de Kirch“. In ihm treffen sich Pastoren und Laien mit Interesse an dem alten Dialekt. Sie gestalten Gottesdienste wie beispielsweise in Hohenmocker, Gemeindefeste, Lesungen. Einmal im Jahr ist Versammlung, um sich über plattdeutsche Literatur zu informieren.
Davon hat Lübbert zu seinem ersten derartigen Abend in Pensin eine ganze Reihe mitgebracht. Neben dem schwierigen Fritz Reuter Texte von Bernhard Trittelvitz, Walter Schröder, Rudolf Tarnow. Der sei besser zu verstehen als Reuter, da seine Texte zum Teil in Hochdeutsch geschrieben seien, sagt Lübbert. Dem des Plattdeutschen nicht so mächtigen Zuhörer kommt das entgegen, die Schelmereien um „Köster Klickermann“ kann jeder in dem beheizten Raum auf der Kirchenempore ebenso genießen wie die Geschichte um Noah und den Grafen von Osten oder die „Wihnachtspredigt“. Mit Trittelwitz und Schröder schließlich bringt Lübbert neuere Autoren in die Runde, ehe ein gemeinsames Lied aus dem plattdeutschen Liederbuch und das „Vater unser“ up platt den Abend beenden.
Zustandegekommen ist dieser erste plattdeutsche Gemeindeabend über persönliche Kontakte zweier Pensinerinnen.
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