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Zu wenig Gäste: Tourismus zwischen Soll und Haben

Keine Gäste, kein Gasthof – kein Gasthof, keine Gäste: Man kann es drehen und wenden wie man will, Tourismus bleibt ein schwieriges Geschäft in der Region.  FOTO: thoralf plath
Keine Gäste, kein Gasthof – kein Gasthof, keine Gäste: Man kann es drehen und wenden wie man will, Tourismus bleibt ein schwieriges Geschäft in der Region. FOTO: thoralf plath

VonThoralf Plath

In der Mecklenburgischen Schweiz, am Kummerower See, kurz – in der Region können Urlauber: paddeln, segeln, wandern, schwimmen, angeln, Rad fahren, golfen, surfen, Natur genießen, Dampfer fahren, im Schloss übernachten. Die Frage ist: Reicht das?

Demmin.Ingo Ernst war so optimistisch gestartet im vergangenen Jahr mit seinem Naturpark-Center in Verchen. Hatte neue Kanus angeschafft, eine Mietfahrradflotte dazu, auch das Tourenprogramm ließ kaum Wünsche offen. Dann fing es an zu regnen. Der Sommer kam nicht in Fahrt. Das freundliche Gesicht des Guide wurde lang und länger. Die Sonne kam dann doch noch hervor und mit ihr die Urlauber, und am Ende des Sommers sah Ernst wieder zufrieden aus. „Ich mach weiter, klar.“
Tourismus bleibt ein schwieriges Geschäft im nordostdeutschen Hinterland der Hügel, Seen und Flüsse, und jeder, der es probiert, spürt es schnell: Die Saison ist kurz. Und: Weil zu wenig Gäste kommen, lohnen sich viele Angebote nicht. Doch wenn es an Angeboten mangelt, kommen noch weniger Gäste. Der Teufelskreis des Hinterlandes. Sind die touristischen Möglichkeiten der Region ausgereizt?
Christin Hannemann, Chefin des Tourismusverbandes, findet das nicht. „Da geht schon noch was.“ Neue Trends und Entwicklungen gäbe es permanent, aber es brauche halt Zeit, bis so etwas auch in der Region ankomme. Als Beispiel nennt sie einen wassersportlichen Trend: „Stand-Up-Paddle“. Das Paddeln im Stehen auf einer Art Surfbrett sei anderswo richtig hip, „bei uns geht das schon richtig gut auf der Warnow. Im Peenetal ist es noch gar kein Thema."
Andererseits werde in diesem Jahr auf dem Malchiner See erstmals ein Segelbootcharter starten – vorerst mit zwei tagestörngerechten Jollen. „So etwas beginnt natürlich als Test. Stimmt die Nachfrage, wird es auch mehr Boote geben.“ Denn dass der regionale Tourismus generell an der zu geringen Gästezahl krankt, räumt auch Christin Hannemann ein. „Das ist unser Problem. Und es wird nicht kleiner, wenn man die demografische Entwicklung sieht.“ Dabei bleiben Gäste mittlerweile im Schnitt fünf Tage bei uns, nicht schlecht. Es sind nur zu wenige.
Durch die Plus-Minus-Brille geschaut, sieht sie die Region durchaus auch gut aufgestellt – bei den Übernachtungsangeboten etwa. „Da haben wir wirklich etwas zu bieten, von schönen Ferienwohnungen bis zu einer einmaligen Dichte an Herrenhäusern und Schlössern.“ Auch das Angebot der Naturparke zählt sie zu den Stärken: Wanderwege, Aussichtstürme, Führungen und Exkursionen.
Besser werden müsse man bei den kleinen Tagesunternehmungen. „Es ist eigentlich eine ganze Menge los, der Urlauber kann schon viel erleben bei uns, aber er muss sich noch zu viel zusammen suchen. Da sind vor allem die Gastgeber und Vermieter in der Pflicht, näher an den Urlauber kommt nun mal niemand. Sie müssen ihren Gästen die Angebote, was man hier unternehmen kann, gebündelter herantragen.“
Und noch ein Defizit wird immer augenscheinlicher: die Gastronomie. Da veröden hierzulande inzwischen ganze Regionen zum Niemandsland. Auch hier wieder das Problem: zu wenig Gäste. Doch Urlaub geht auch durch den Magen. Und wer schon nichts zu futtern findet, macht halt woanders Ferien.

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