Januar 10, 2012
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Konflikte von Redaktion

Bluträtsel unterm Reetdach: Wer hat Hans umgebracht?

Seit Sonntag ist in Wusterhusen nichts mehr, wie es war. Zum ersten Mal in der Geschichte der kleinen Gemeinde gab es einen Mord. Die Einwohner rätseln über ein mögliches Motiv.

Das Haus, in dem der Mord geschah, steht zur Zwangsversteigerung. [RS_CREDIT] FOTO: Andreas Zecher
Das Haus, in dem der Mord geschah, steht zur Zwangsversteigerung. [RS_CREDIT] FOTO: Andreas Zecher
Wusterhusen (Andreas Zecher)  

 

Ein Mord? Hier, bei uns? Entsetzen überall, auch im Friseursalon von Petra Sawatzki. „Hans Oerkwitz, das war doch ein ganz Lieber“, hört man da. Einmal im Vierteljahr sei der 55-Jährige zum Haareschneiden gekommen. Für jemanden in seinen Verhältnissen sei er doch recht gepflegt gewesen, ruhig, der Typ, der keiner Fliege etwas zu Leide tun könne. Warum bringt man so einen um?


Die Frage bewegt in diesen Stunden auch die Polizei, Mordermittler aus Anklam wurden eingeschaltet. Die Beamten sind in dem kleinen reetgedeckten Haus mit der Spurensicherung beschäftigt. Erste Vernehmungen in der Nachbarschaft wurden durchgeführt.


Doch viel haben die nicht mitbekommen. Die ältere Dame, die im Salon mit einem Kopf voller Lockenwickler sitzt, weiß nur soviel, dass sie in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag noch lange Licht im Haus von Hans Oerkwitz gesehen habe. Das sei ungewöhnlich gewesen, denn der Hans gehe ja eigentlich mit den Hühnern zu Bett. Aber dass da ein Mord dahinter stecke, da wäre sich nicht im Traum drauf gekommen. Am anderen Morgen gegen 6.35 Uhr wurde seine Leiche dann gefunden, übel zugerichtet, ganz klar ein Gewaltverbrechen. Frühere Kollegen des Opfers sind ebenfalls völlig ratlos. Bis gut vor einem Jahr arbeitete Oerkwitz mit den Ein-Euro-Jobbern für die Gemeinde. Wusterhusen ist ein aufgeräumtes Dorf. Auch gestern war die Truppe unterwegs, hat letzte Überbleibsel der Silvesternacht beiseite geräumt. An einen Mord im Dorf können sich die Leute nicht erinnern.


Viel sagen wollen die einstigen Arbeitskollegen nicht. Die Ermittlungen laufen, und wer weiß, was sie zu Tage bringen und was dem Ganzen dann noch folgt, so die Gedanken, die sie offensichtlich bewegen. Dazu zählt auch, dass das Wohnhaus von Hans Oerkwitz in die Zwangsversteigerung gekommen ist. Anfang Februar wird es den mittlerweile dritten Termin am Greifswalder Amtsgericht geben. Ein Verkehrswert von 60000Euro ist angegeben. Wer es geschickt anstelle, könne das
Haus mit einem 1400-QuadratmeterGrundstück auch schon für 42000Euro bekommen, heißt es in einem Immobilienkatalog.


Seitens des Amtsgerichtes ist zu erfahren, dass die Sparkasse Vorpommern es sei, die das Objekt unter den Hammer bringe. In Wusterhusen spekuliert man derweil, ob Hans Oerkwitz sein neuer Umgang nicht gut bekommen sei. Dem Vernehmen nach soll er in die örtliche Trinkerszene abgerutscht sein. Brannte deshalb in seiner letzten Nacht so lange das Licht? Die Ermittlungen laufen.

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