Nordkurier.de

Das „Wunder von Lubmin“ als Vorbild für Japan

VonMartina Rathke

Lubmin.Über zwei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima haben sich japanische Politiker und Vertreter der Anti-Atombewegung am Standort des früheren Atomkraftwerks Lubmins über den Rückbau des Atommeilers informiert. „Die Erfahrungen in Lubmin machen Mut“, sagte der Abgeordnete des Stadtparlamentes von Kashiwazaki, Toshiyuki Iizuka, nach Gesprächen am Bodden.
In Nähe der 90 000 Einwohner zählenden Stadt steht Japans größtes Atomkraftwerk. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurde der Meiler vom Netz genommen. Weil derzeit vollkommen offen ist, ob das Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa stillgelegt wird, wollen die Stadtparlamentarier mit den Informationen aus Lubmin um Zustimmung in ihrer japanischen Heimat werben.
Im deutschen Lubmin ist der Atomausstieg seit 23 Jahren Realität. Seitdem läuft der milliardenschwere Rückbau. „Der gilt bei uns als Wunder von Lubmin. Wir wollen für Japan das Wunder von Kashiwazaki werden“, hofft sich Lokalpolitiker Yoshimoto Koyama.
„Im Jahr 1989 arbeiten in Lubmin 15000 Menschen – 5000 im Atomkraftwerk, weitere 10000 auf der Baustelle des noch nicht fertiggestellten Kraftwerks“, erinnert sich der heutige EWN-Manager Jürgen Ramthun. Mit der Abschaltung kamen die Massenentlassungen. „Ziel sei es gewesen, einen Teil der 5000 Arbeitsplätze zu retten. Trotzdem musste zwischen 1991 und 1993 rund 3000 Mitarbeitern gekündigt werden.
EWN-Manager Ramthun ist überzeugt, dass die sozialen Einschnitte in der Region abgefedert wurden, weil die Energiewerke den Rückbau mit der eigenen Mannschaft organisierten. 2000 Mitarbeiter konnten in Lubmin gehalten werden. Heute seien die EWN mit rund 870 Beschäftigten ein weltweit operierendes Stilllegungs- und Entsorgungskompetenzzentrum.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×