Nordkurier.de

Der „Lovis“ droht bald die Dauerflaute

Nicht ohne Protest: Weil die Besatzung der „Lovis“ die drohende Zwangsstilllegung nicht einsieht, wurde am Sitz der Berufsgenossenschaft Verkehr in Kiel demonstriert.  FOTO: Oliver Wunder
Nicht ohne Protest: Weil die Besatzung der „Lovis“ die drohende Zwangsstilllegung nicht einsieht, wurde am Sitz der Berufsgenossenschaft Verkehr in Kiel demonstriert. FOTO: Oliver Wunder

Der Lovis rinnt die Zeit davon: Am 30. Juni läuft das Sicherheitszeugnis des Greifswalder Traditionssegelschiffs aus, mit dem seit vielen Jahren Jugendgruppen auf See unterwegs sind. Nur mit dem Zeugnis gilt die Lovis als Traditionssegelschiff und kann mit Jugendgruppen segeln. Verliert sie den Status, gelten höhere Auflagen, die mit der bisherigen ehrenamtlichen Crew nicht erfüllbar sind. Doch genau danach sieht es zurzeit aus: Die Chancen für die Verlängerung stehen aktuell schlecht. Dann droht ihr das Schicksal anderer ehemaliger Traditionsschiffe: Stillegung, Verkauf oder Verwahrlosung.

Zuständig für das Sicherheitszeugnis ist die Berufsgenossenschaft (BG) Verkehr, die sich querstellt. Deren Mitarbeiter Ulrich Schmidt sieht bei dem Schiff gleich mehrere Probleme. So deute das Betreiberkonzept auf Gewerblichkeit hin, außerdem entspreche die Lovis nicht dem historischen Vorbild, das Hauptproblem sei aber der mangelhafte bauliche Brandschutz. „Über die anderen Punkte können wir reden, doch der Brandschutz ist das K.O.-Kriterium“, sagt er. Die notwendigen Umbaumaßnahmen würden sehr teuer werden.

Die Lovis steht mit ihren Problemen nicht allein da. Dörte Münstermann von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Museumshäfen (AGDM) berichtet, von ehemals 200 Seglern seien nur noch knapp die Hälfte übrig: „Die Richtlinien haben sich nicht geändert, die Auslegung durch die BG Verkehr schon.“ Neben der Lovis müssen dieses Jahr weitere 27 Schiffe ihr Sicherheitszeugnis verlängern. Bei 16 bis 18 sei es ähnlich problematisch, berichtet Münstermann.

Doch Skipper Nils Möllmann gibt sich kämpferisch: „Wir wollen die Arbeit fortsetzen und lebendige maritime Kultur erhalten. Dazu brauchen wir Schiffe, die unter unterschiedlichen Konzepten fahren“. Am vergangenen Wochenende fuhren Unterstützer des Schiffes für eine weitere Protestaktion nach Kiel. Im Kieler Hafen wurde eine große Partie „Schiffe versenken“ gespielt. Als Traditionsschiffe verkleidete Crewmitglieder spielten gegen zwei als Behördenmitglieder verkleidete Personen im Anzug, doch die hatten selbst gar Schiffe auf ihrem Feld und versenkten ein Schiff nach dem anderen. So sollte die empfundene Willkür der BG Verkehr zum Ausdruck gebracht werden.

Seit 1997 wurde die Lovis durch ehrenamtliche Arbeit aufgebaut und betrieben. Um die 35 Mitglieder zählt der Verein B.Ö.E. e.V. aktuell, der die Lovis betreibt. Alle Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich in dem Projekt und investieren ihre Freizeit, wenn sie beispielsweise am Schiff Reparaturen durchführen oder als Skipper mit auf See fahren. Auf der Lovis werden Seminare zu politischen, sozialen, kulturellen oder ökologischen Themen durchgeführt. Von Kiel segelte die Lovis mit einer Seminargruppe weiter auf die Ostsee. Ostseeökologie und Meeresschutz stehen jetzt auf dem Stundenplan.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×