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Die Mutter der Bachwoche: Seit 1950 jedes Jahr dabei

VonAnja Rau

Sie war immer da, immer hilfsbereit, seit Anfang an. Jetzt wurde die 95-jährige Kirchenmusikdirektorin Prof. Annelise Pflugbeil für ihr Engagement für die Bachwoche geehrt.

Greifswald.Es sollte ein festliches Konzert und eine fröhliche Feier werden, zu Ehren der Mutter der Bachwoche. „Bach und Italien“ ist das diesjährige Motto und so gab es natürlich Johann Sebastian Bach, aber auch Giuseppe Verdi oder Wolfgang Jacobi. Das Ensemble Greifvocal hat keine Mühen gescheut, einen Ausfall des Universitäts-Chores zu kompensieren.
„Die Choräle aus Jesu meine Freude müssen aber sein“, so der künstlerische Leiter, Kirchenmusikdirektor Professor Jochen A. Modeß. „Tobe, Welt, und springe, ich steh hier und singe, passt einfach wunderbar zur Bachwoche.“ Für Freude hat das wohl auch bei Annelise Pflugbeil gesorgt. Die 95-Jährige ist die einzige, die an allen Bachwochen teilgenommen hat. Einst studierte sie Klavier und Cembalo, wurde bereits in jungen Jahren Dozentin. 1945 flüchtete sie aus ihrer Heimat Finkenwalde bei Stettin nach Greifswald. Zwei Jahre später heiratete sie den dortigen Domkantor Hans Pflugbeil. Zusammen mit ihm hat sie die Bachtage initiiert, die 1950 zur Bachwoche wurden.
Der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit verlieh der Kirchenmusikdirektorin während des Konzerts die Bugenhagen-Medaille der Nordkirche: „Geehrt wird die Kirchenmusikdirektorin für besondere Verdienste für die evangelische Kirche im Bereich der Kirchenmusik“, so Abromeit. „Mit der Verleihung bringen wir unseren Respekt vor ihrer Lebensleistung zum Ausdruck.“
Die rührige Dame freut sich sehr über die Auszeichnung: „Es ist toll, ein Leben lang etwas gemacht zu haben, das Spaß macht und nun wird es auch noch gedankt.“ Die 400 Besucher des Konzertabends applaudierten mit stehenden Ovationen. Nicht wenige kennen sie bereits seit vielen Jahren.
„Es ist schön zu sehen, dass die Bachwochen-Gemeinde auch dieses Jahr wieder zusammenkommt“, sagte Pflugbeil.
Nicht nur für die Preisverleihung, auch für das Konzert hat sich das Kommen gelohnt: Raik Harder, künstlerischer Mitarbeiter und Dozent am Institut für Kirchenmusik und Musikwissenschaft der Universität, begeisterte am Klavier mit dem Italienischen Konzert in F-Dur von Bach. „Das Stück habe ich immer als Kind gehört, wenn ich krank war. Sie haben das toll gemacht“, sagte eine Zuhörerin. Für ähnliche Reaktionen sorgte auch das Barock-Ensemble „I cornetti pomerani“ um die Musiker Beate Bugenhagen, Immanuel Musäus und Matthias Schneider.
Eine Überraschung wartete zudem auf den künstlerischen Leiter. Modeß ist seit 20Jahren für das Musik-
Festival verantwortlich, wofür ihn Abromeit ehrte: „Sie haben die kreativen Ideen und die musikalische Kompetenz. Damit haben Sie die Bachwoche geprägt.“ Modeß selbst kündigte unter Applaus an, den Job noch lange weiter machen zu wollen: „Ich nehme es immer wieder als Geschenk, diese Aufgabe machen zu dürfen.“

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