Dezember 3, 2011
Drucken 
Museen von Redaktion

Ein Klassiker aus Sand, Leinöl und Kreide

In der Ausstellung sind auch historische Puppenstuben zu besichtigen – richtige kleine Kunstwerke.
In der Ausstellung sind auch historische Puppenstuben zu besichtigen – richtige kleine Kunstwerke.
Von unserem Redaktionsmitglied
Andreas Zecher

Natürlich gibt es in der Ausstellung auch Spielzeug- Flugzeuge. So ließe sich schnell ein Bogen ins beschauliche Pommern schlagen. Einfach im Gedenken an die dort beheimaten Flugpioniere Otto und Gustav Lilienthal. Das Pommersche Landesmuseum hat sich einer anderen Erfindung der genialen Gebrüder angenommen: Es sind die Anker Bausteine.

Vorpommern.Vor mehr als hundert Jahren erlebten sie einen Siegeszug um die Welt, dessen Ausgangspunkt die Idee der Lilienthals war: Quarzsand und Schlämmkreide mit Leinöl vermischen, zu Formsteinen pressen und anschließend erhitzen. Der Thüringer Unternehmer Friedrich Adolf Richter kaufte die Idee den Brüdern ab und ließ sie sich unter eigenem Namen patentieren. Er produzierte die Bausteine ab 1882 in seiner pharmazeutischen Fabrik in Rudolstadt.
Später folgte ein langwieriger Patent- und Vertragsstreit. Letzteren gewann Richter schließlich. Seither sind ungezählte Anker Steinbaukästen unter Weihnachtsbäumen und auf Geburtstagstischen gelandet.
Doch der Steinbaukasten ist nur eines von vielen Spielzeugen, das die Herzen der Kinder in Pommern höher schlagen ließ. Die Ausstellung „Hereinspaziert“, die in Greifswald noch bis zum 19. Februar nächsten Jahres gezeigt wird, bietet noch mehr an, nämlich einen Überblick über Spiel und Spielzeugklassiker von 1850 bis in die Gegenwart. Wer sich mit Kindern hierher begibt, erlebt mit, wie diesen nahe gebracht wird, dass Spielzeuge einst Kostbarkeiten waren. Gehütete Schätze, die oft an die jüngeren Geschwister weitergegeben wurden.
Für die Masse der Kinder bedeutete Spielen, sich im Freien gemeinschaftlich mit den einfachsten Dingen kurzweilig die Zeit zu vertreiben. Es wurde gekreiselt, gemurmelt, gehopst und gekickt.
Zum Nachmachen und Mitmachen gibt es dazu im Museum viele Gelegenheiten. Wer nicht Oma oder Opa als ideale Fachleute zur Seite hat, kann auf Rat und Hilfe oder Erklärungen der Museumsmitarbeiter setzen. Angesicht eines Berges von drei Kubikmetern Anker Bausteinen bedarf es allerdings keiner großen Hilfestellungen. Gleich, ob Jungen oder Mädchen, die Kinder machen es sich auf dem Boden bequem und beginnen mit ihrer Bautätigkeit.
Die Museumserlebnisse zum Anfassen sind nur der eine Teil der Ausstellung. Nicht weniger spannend ist das, war hinter Glas, in Vitrinen zu sehen ist. Hauptleihgeberin dieser Kostbarkeiten ist Leslie-Ann Östermann. In mehr als 30 Jahren hat sie sich ihren Kindheitstraum erfüllt und Puppen und Spielzeuge aus etwa 150 Jahren gesammelt. Vielfältiges Puppenzubehör, Puppenstuben und Technikspielzeuge, wie Aufziehmaus und Kindergrammophon, geben in der Ausstellung auch die Kultur der vergangenen zwei Jahrhunderte wieder und machen die technischen Entwicklungen, das gesellschaftliche Verständnis von Kindheit und Spiel sowie kulturelle Hintergründe erlebbar. Das älteste ist ein Stoffliegebaby mit Wachskopf und Glasaugen.
Es stammt aus dem Jahr 1840.
Wer übrigens glaubt, nur Kinder können spielen, irrt.
Das Pommersche Landes-
museum ist auch Ort für Tagungen, Konferenzen und wissenschaftliche Seminare. Manch ein hochkarätiger Teilnehmer solcher Veranstaltungen soll schon da-
bei beobachtet worden sein, wie er im Foyer einbeinig im Hopsekästchen seine Standfestigkeit erprobt hat.
Bookmark and Share
Nachrichten aus
Kontakt

Vorpommern Kurier

Büro Greifswald
Dr. Andreas Zecher (AZ)
Telefon: 03834 7717321
E-Mail: az@nordkurier.de