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von Redaktion
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Wenn der russische Milliardär Roman Abramowitsch mit dem Helikopter auf seiner riesigen Yacht landet und nach dem Aussteigen Halt an der Reling sucht, hat er ein Stück Wertarbeit aus Vorpommern in der Hand.
Die Firma Sembritzky aus Greifswald, Hersteller von Seil- und Hebezeugtechnik, zählt sich mit Stolz zu den Ausrüstern des Schiffes. In Harry Erdmann ist die Erinnerung an seine Montagearbeiten an Bord noch wach. Seit 40 Jahren ist er für diesen Betrieb tätig, der seit 1868 in fünfter Generation geführt wird. 1971 muss es mal wieder ziemlich viel in der „Seilerei“ zu tun gegeben haben. Ein älterer Freund sprach den gelernten Maurer an, ob er nicht aushelfen wolle. Harry Erdmann wollte. Die Arbeit und das Betriebsklima dort gefielen ihm so gut, dass er in das Fach des Spleißers wechselte. Fortan hatte er es mit Seilen aus Draht, Natur- oder Kunststofffasern zu tun. Und wer ihn bei der Arbeit beobachtet, kann nur sagen, seine Hände sind einfach dafür gemacht. Wer weiß schon, wie ein Seil oder Tau zu einer Schlaufe kommt, die gegebenenfalls einem Ozeanriesen Halt an der Kaikante eines Hafens gibt.
Der Fachmann führt es kurz vor. Arbeitet die Hauptstränge (Kardeelen) des Seiles in das aufgedrehte Anschlussstück ein. „Ziehen Sie mal“, sagt er. Die Verbindung ist bereits jetzt untrennbar. Wenn „richtig“ gearbeitet wird, kommen noch einige „Umdrehungen“ hinzu.
Einerseits ist das Handwerk uralt. Andererseits hat es mit der Entwicklung der Technik Schritt gehalten. Die Drahtreling an einem High-Tech-Schiff ist nur ein Beispiel dafür. Über lange Jahre kamen die Seilnetze, die die Jagdflugzeuge der Warschauer-Vertrags-Staaten nach der Landung abfingen, aus der Seilerei Sembritzky und irgendwie auch aus den Händen von Harry Erdmann. Heute sind es neben Normal-Tauwerk wie Ankerleinen, Festmacher Schleppleinen auch moderne Materialien, die im Architekturbereich eingesetzt werden. Edelstahlseile zur Fassadenbegrünung, Raster für Werbeflächen oder Seile als Geländer innerhalb und außerhalb von Gebäuden. Die Produktpalette ist groß. Nur ein Teil des Grundmaterials wird noch in der Seilerei gefertigt. Die Hände von Harry Erdmann wirken meistenteils „nur“ noch an der Wertschöpfung mit. „Aber genau darauf kommt es an“, sagt er. Genau das passgerecht zu fertigen, was der einzelne Kunde gerade benötigt. Er führt durch sein Reich der Seile, Gurte, Ketten, der Greifer, Klemmen und Winden. Verlässliche Qualitäten, von denen sichere Transporte und damit nicht zuletzt auch Leben und Gesundheit von Menschen abhängen. Erdmann lässt mit Zufriedenheit im Gesicht einige Kettenglieder durch seine große Hand gleiten. Es muss ein gutes Gefühl sein.
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