Januar 31, 2012
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Arbeitsmarkt von Redaktion

Elektronik durchaus auch für Mädchen

Der Azubi-Mangel sorgt für volle Messehalle. Noch mehr Aussteller kann die Jobbex in Greifswald kaum verkraften.

MEDI_AZ
Die Berufliche Schule der Universitätsmedizin Greifswald stellte sich bei der Messe gleich mit mehreren Ausbildungsrichtungen vor.
Greifswald (Claudia Müller)  

 

Thekla Rost hat ein Ziel. Die 15-Jährige möchte zur Polizei und als Kripo-Beamtin arbeiten. Sie weiß, dass sich eine solche Karriere nicht aus dem Ärmel schütteln lässt. Später Kriminalistik oder Jura zu studieren ist das eine, die Aufnahmekriterien bei der Polizei sind das andere. Die junge Greifswalderin hat daher die Jobbex, die Job- und Bildungsmesse in ihrer Heimatstadt, genutzt, um sich nach den Anforderungen, vor allem sportlicher Art, zu erkundigen. „Dann kann ich schon mal anfangen zu trainieren“, sagt die Schülerin.


Thekla Rost konnte sich am vergangenen Wochenende ebenso wie viele andere Jugendliche, Eltern und Interessierte über mehr als 100 Ausbildungsberufe beziehungsweise Studienwege in der Region informieren. Hauptziel der Messe ist es, angesichts der geburtenschwachen Jahrgänge, des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels junge Leute in der Region zu halten und ihnen Perspektiven für eine Zukunft vor Ort aufzuzeigen. Um Auszubildende und spätere Mitarbeiter warben bei der 13. Jobbex denn auch 52 Aussteller, darunter auch der Nordkurier. Doch mit diesem Rekord-Angebot habe man in der Sporthalle des Greifswalder Berufsbildungswerkes auch die Kapazitätsgrenze erreicht, machte Aurica Teetz von der Volksbank Raiffeisenbank als Mitveranstalter deutlich.
Mit im Boot als Organisatoren waren außerdem die Agentur für Arbeit, das Berufsbildungswerk Greifswald und die Barmer Ersatzkasse. Auch wenn weitere Stände kaum unterzubringen sind, beim Publikum sieht Teetz durchaus noch Potential im neuen Großkreis Vorpommern-Greifswald, denn bisher kommen die Besucher meist aus Greifswald und dem Umland. Die Veranstalter schätzen ein, dass dieses Mal ebenso wie im Vorjahr rund 3000 Besucher zur Jobbex gekommen sind.


Für Christian Glaser von der Agentur für Arbeit ist das große Interesse von Unternehmen und Bildungseinrichtungen an der Jobbex und anderen Veranstaltungen dieser Art keine Überraschung. Denn den in der Region vorhandenen Ausbildungsstellen stehen immer weniger Schulabgänger gegenüber. So registrierte die Agentur im vergangenen Jahr etwas über 900 Ausbildungssuchende, aber knapp 1500 Lehrstellen im Bereich der Geschäftsstellen Greifswald, Wolgast und Anklam. Und es sei damit zu rechnen, dass das Verhältnis in diesem Jahr noch ungünstiger ausfällt, meint Glaser.
Stammgast bei Ausbildungsmessen ist auch das Greifswalder Elektronik-Unternehmen ml&s, das Leiterplatten sowie Elektroartikel herstellt und dazugehörige Dienstleistungen anbietet. Außer den 430 Angestellten sowie weiteren Zeit-Mitarbeitern bildet die Firma jährlich auch acht Elektroniker aus.

 

Moritz Grafe und Anne Putzig, die gerade ihre Abschlussprüfungen ablegen, machen den jungen Besuchern an ihrem Stand deutlich, dass in ihren oft mit Feinarbeit verbundenen Beruf auch Mädchen sehr willkommen sind. Ausgehend von einem Realschulabschluss und der Lehre biete der Greifswalder Betrieb viele Aufstiegschancen als Schichtleiter, Meister oder Techniker. Und bisher seien alle Azubis benommen worden. Am Stand von ml&s, aber auch bei der Beruflichen Schule der Universitätsmedizin Greifswald und bei anderen Ausstellern ist man mit der Resonanz bei der Jobbex zufrieden. „Die Messe bringt etwas, wir haben immer wieder Schüler, die über die Jobbex eine Ausbildung bei uns beginnen“, sagt Viola Wetzel von der Universitätsmedizin. Und es sind keineswegs nur Schulabgänger, die sich in der Messehalle umsehen. Der 25-jährige Jan Siebert ist als Student nach Greifswald gekommen, will in der Region bleiben und nun das Studium zugunsten einer Ausbildung im kaufmännischen Bereich aufgeben. Vorstellen könnte er sich beispielsweise eine Lehre als Immobilienkaufmann bei der Wohnungsbaugenossenschaft – „ich bin ein fanatischer Wohnungseinrichter und habe ein Faible fürs Umbauen und Renovieren“, schmunzelt er.


Das relativ üppige Lehrstellen-Angebot für junge Leute hat indes hin und wieder auch Nachteile: So stand beispielsweise ein Gartenbaubetrieb im vergangenen Jahr unverhofft ganz ohne Azubi da, obwohl ein junger Interessent bereits im Frühsommer den Lehrvertrag unterschrieben hatte.


Doch der angehende Azubi hatte mehrere Eisen im Feuer und als später noch eine andere Zusage eintraf, war der Vertrag mit dem Gartenbauer vergessen. Vielleicht könnte man solche Situationen vermeiden, wenn Lehrverträge generell zu einem bestimmten Stichtag abgeschlossen werden müssen, regt das Unternehmen an. Und bis zum Ausbildungsstart sollte für die, die dabei leer ausgehen, anschließend noch Zeit für eine zweite Runde sein.

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