Nordkurier.de

Erfolgsgeschichte mit Hindernissen

VonRalph Sommer

Vom Kernkraftwerk zum Industriepark – 23 Unter- nehmen mit über 1000 Jobs gibt es am Standort Lubmin. Doch nicht alle Pläne am Bodden gingen auf.

Lubmin.Knapp 23 Jahre nach der Abschaltung der fünf Reaktorblöcke im früheren Kernkraftwerk Lubmin hat sich der Standort am Greifswalder Bodden zu Mecklenburg-Vorpommerns größtem Industriepark entwickelt. Auf den insgesamt 120 Hektar großen Industrie- und Gewerbeflächen siedelten sich mittlerweile 23 Firmen und Institutionen an. Zusätzlich zu den 870 Mitarbeitern der Energiewerke Nord (EWN) fanden mehr als 1000 Menschen einen neuen Job. Insgesamt wurden bislang rund 1,9 Milliarden Euro investiert, nicht gerechnet der 240 Millionen Euro teure Bau des atomaren Zwischenlagers Nord (ZLN) und die Verlegung der zwei Gasleitungen OPAL und NEL.Völlig neue Perspektiven öffneten sich dem Industriestandort „Lubminer Heide“ im August 2006 mit der Fertigstellung des Industriehafens. Für den Bau des sieben Meter tiefen und 890 Meter langen Hafenbeckens hatte das Land rund 35 Millionen Euro bereitgestellt. Über die Kais werden heute nicht nur Holz, sondern auch Großkomponenten umgeschlagen, die in benachbarten Betrieben gefertigt werden. Zudem entstand eine Marina mit Jachthafen und sieben Arbeitsplätzen.
Das frühere Maschinenhaus, mit 950 Metern Länge eines der größten Industriebauwerke Deutschlands, wurde inzwischen selbst zur Produktionsstätte. Wo einst Turbinen Atomstrom erzeugten, wurden in Boomzeiten von der Firma MAB im Serientakt komplette Schiffssektionen für die ostdeutschen Werften vorgefertigt. Selbst nach der Schiffbaukrise kam der Betrieb nicht zum Erliegen. Größter Arbeitgeber unter den Neuansiedlungen ist die österreichische Firma Liebherr, die mit 116 Mitarbeitern Krane produziert.
Mit dem Bau der deutsch-russischen Ostseepipeline, die am Boddenufer anlandet, eröffnete sich Lubmin zugleich eine Zukunftschance als Energiestandort. Pläne zum Bau von zwei Gaskraftwerken wurden allerdings bislang nicht verwirklicht. Der Wandel vom Kernkraftwerk zum Industriepark sei eine Erfolgsgeschichte, sagt EWN-Chef Henry Cordes.
Doch nicht alle großen
Pläne gingen auch auf. So hatte der dänische Konzern Dong Energy vor vier Jahren nach anhaltenden Protesten von Umweltschützern und Anwohnern sein Vorhaben zum Bau eines zwei Milliarden Euro teuren Steinkohlekraftwerks aufgegeben. Auch Pläne der sächsischen
Choren-Gruppe, die in Lubmin synthetischen Kraftstoff aus Holz erzeugen wollte, scheiterten.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×