Dezember 24, 2011
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Universitäten/Hochschulen von Redaktion

In roter Robe, aber nicht als Santa Claus

Gibt es ihn oder gibt es ihn nicht, den Weihnachtsmann? Über das ganze Jahr verteilt tauchen im Umkreis der Aula Gestalten auf, bei deren Anblick manch Kind spontan fragt, „Ist das der Weihnachtsmann?“ Und ruhigen Gerwissens kann die Kinderfrage mit „Nein“ beantwortet werden.

Hier hat es sich nicht ein jugedlicher Weihnachtsmann gemütlich gemacht, sondern ein Student im historischen Pedellentalar.
Hier hat es sich nicht ein jugedlicher Weihnachtsmann gemütlich gemacht, sondern ein Student im historischen Pedellentalar.
Foto: Andreas Zecher
Vorpommern. (Andreas Zecher)  

Die da im knallroten Gewand umherwandeln, sind zumeist Studenten. Sie haben nicht Mantel und Kapuze dem Weihnachtsmann gestohlen, sondern tragen einen Pedellentalar. Der Pedell war im Mittelalter bis in die Frühen Neuzeit eine Art Universitätspolizist. Er hatte auf dem Campus für Ordnung und Einhaltung der internen Gesetze zu sorgen. Aufsässige Studenten erhielten von ihm Ladungen vor den Rektor. Und der Pedell war für die Durchführung der akademischen Strafen verantwortlich. Doch in diesen Angelegenheiten sind die vermeintlichen Doppelgänger des Weihnachtsmannes in Greifswald nicht mehr unterwegs.


Sie führen Besuchergruppen auf Rundgängen über den historischen Campus. Dabei erzählen sie allerlei Gruselgeschichten zu Stadt und Universität. Bei spätabendlichen Führungen erfährt man dann im Laternenschein Schreckliches über die Ermordung des ersten Greifswalder Uni-Rektors, Geschichten von Geistern und abgetrennten Händen. So jedenfalls werden diese Aktionen von der Hochschule beworben. Neben den Sagen und Legenden, die auf diese Weise entdeckt werden können, wird noch auf den Spuren der alten Schweden durch Greifswald gewandelt. Großer Beliebtheit erfreut sich vor allem die Lösung des Rätselsfrage, warum man Studenten an der Uni früher eingesperrt hat.


Das sind die rotgewandeten Pedellen in ihrem historisch verbrieften Element. Denn den ihre Vorbilder von einst sperrten studentische Missetäter in den Karzer ein und sorgten für ihren dortigen Verbleib. Die Wände der kleinen Arrestzelle ist voll von frivolen Malereien und Sprüchen mit denen sich die Kommilitonen hier verewigt haben. Da sich die Studenten im Karzer in der Regel selbst verpflegen mussten und auch Besuch empfangen durften, war es ein Leichtes, die „Strafe“ zu einem gesellschaftlichen Ereignis mit exzessivem Alkoholkonsum werden zu lassen, ist aus der Kustododie zu erfahren, die sich um Kunst und Kultur der Uni kümmert.


Mit der Rute gab es also nichts. Doch der Pedell ist keineswegs die einzige Gestalt, die in Greifswald den Weihnachtsmannglauben wachruft. In selteneren Fällen kommt es auch zu Begegnungen mit dem Universtätsgründer Heinrich Rubenow. Begleitet von der Baderin Gertrud und einem Studenten, der rein zufällig Nikolaus heißt, führt der Rotbemäntelte mit einer purpurnen Pelzkappe durch die Stadtgeschichte der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in die Zeit, als die Uni gegründet wurde. Das ist kein Weihnachtsmärchen.


Genaueres unter:
kustodie@uni-greifswald.de.

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