November 25, 2011
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Kommunen von Redaktion

Keine Kapitulation vor den Gewohnheitstieren!

Der Poller ist unten, Ampeln regeln nun den einspurigen Verkehr. [RS_CREDIT] FOTO: Zecher
Der Poller ist unten, Ampeln regeln nun den einspurigen Verkehr. [RS_CREDIT] FOTO: Zecher
Von unserem Redaktionsmitglied
Andreas Zecher

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Auf einige Greifswalder Autofahrer trifft das geflügelte Wort mit Sicherheit zu. Über Jahre gelang es, mit Frechheit über die Wiecker Brücke zu fahren. Nämlich dann, wenn der Vorausfahrende mit einem Chip den Poller im Boden verschwinden ließ. Jener Poller sorgte aber auch für viele Crashs bei den Voreiligen – und wurde immer wieder selbst lädiert. Nun ist der Poller verschwunden, aber der nächste kommt bestimmt.

Greifswald.Die Poller und der Mechanismus, die derlei Verkehrsverstöße ermöglichten, gibt es nicht mehr. Die Anlage war nach vielen Betriebsjahren verschlissen und wurde in diesem Jahr durch eine neue ersetzt. Zwischenzeitlich gab es pollerfreie Wochen, in denen sich eine neue Gewohnheit breit machte. Es konnte nach Lust und Laune jedermann über die Brücke fahren. Zum Verdruss der Bewohner des Fischerdörfchens Wieck und des Ortsteils Ladebow, die zur Wahrnehmung ihres Gewohnheitsrechts gegen eine Gebühr einen Chip erhielten, der aber nun nicht mehr benötigt wurde. Freie Fahrt für freie Bürger. Dann aber geschah das offenbar Unglaubliche. Die neue Polleranlage tat ihren Dienst. Einige Gewohnheitssünder wurden sogleich bitter bestraft. Die einen, weil ihnen wohl entgangen war, dass die Freifahrt-Phase ein Ende hatte. Sie kollidierten des Nachts mit dem Poller, Sach-
schaden am Pkw und am Poller. Während die Schadenshöhe an den Autos differierte, betrug sie beim Poller jedes Mal so um die 10000 Euro. Der Wiecker Ortsratsvorsitzende Bernd Lieschefsky hat nicht jeden Fall erfasst, schätzt aber, dass es mittlerweile acht oder neun Zusammenstöße mit den Pollern gegeben habe.
Die geschahen nicht nur des Nachts und im Vermeinen, da gäbe es kein Hindernis mehr an der Brücke. Nein, Schaden verursachten auch unberechtigte Hinterherfahrer. Den Konstrukteuren der neuen Polleranlage war nämlich aufgetragen worden, die Zeit für das Abtauchen des Pollers so zu bemessen, dass im Guten nur ein Auto passieren kann. Da lässt sich denken, dass es gewohnheitsmäßig eilige Hinterherfahrer besonders hart traf. Die Stadt aber auch. Die musste nämlich für die Beseitigung der Schäden an der Anlage in Vorkasse gehen. Von den Versicherungen der Unfallverursacher seien noch keine Zahlungen eingegangen, heißt es.
Derzeit herrscht an der Wiecker Brücke jedenfalls wieder freie Fahrt. Einzig eine Ampel regelt das einspurige Hin und Her. Deren Farbenwechsel wird von den Autofahrern akzeptiert. Wer will schon gern einen frontalen Zusammenstoß riskieren? Wie es aber um das Schicksal des nächsten Pollers bestellt ist, wagt niemand zu sagen. Er soll aber auf jeden Fall kommen, heißt es. Die Ordnungsmacht werde nicht vor den sündigen Gewohnheitstieren kapitulieren. Dennoch ist ihre Macht zur Zeit beschränkt. So dürfen weder der Brückenwärter noch die Politessen von Rechts wegen in das fließende Verkehrsgeschehen eingreifen. Die Polizei, die das darf, ist aber in Wieck nur höchst selten zu sehen. Und so gilt als sicher, dass die nächste Polleranlage an der Wiecker Brücke nicht die letzte sein wird, auch nicht für das kommende Jahr.
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