Januar 19, 2012
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Kunst von Redaktion

Obdachloser Antik-Jüngling sucht Quartier

Paul Kroll und seine Objekte – die Statue des antiken jungen Mannes und die neuzeitliche Eva. [RS_CREDIT] FOTO: Andreas Zecher
Paul Kroll und seine Objekte – die Statue des antiken jungen Mannes und die neuzeitliche Eva. [RS_CREDIT] FOTO: Andreas Zecher
Von unserem Redaktionsmitglied
Andreas Zecher

Er ist so etwas wie der letzte Mohikaner. Der „Jüngling von Tenea“ verblieb als einziges Exemplar der berühmten Gipsabguss-Sammlung der Greifswalder Altertums- wissenschaften in der Hansestadt. Kunstinteressierte sprechen von der Sammlung als wichtigem Teil des Pommernschatzes. Der ist seit einem Jahr als Dauerleihgabe der Greifswalder Uni im Heinrich- Schliemann-Institut Rostock zu sehen. Weil es vom Jüngling zwei Abgüsse gab, verblieb einer in Vorpommern, wo er seither auf der Suche nach einer dauerhaft anständigen Bleibe ist.

Vorpommern.Gegenwärtig steht der Gipsabguss in einer Plattenbauwohnung in Schönwalde. Sie wird von Paul Kroll als Atelier genutzt. Kroll und andere kulturinteressierte Hansestädter haben seinerzeit gegen die Schließung der Greifswalder Altertumswissenschaften und die Weggabe des Pommernschatzes nach Rostock protestiert. Weder die Stadtväter noch der Senat der Uni hat sie erhört. „Dabei wäre in frei werdenden Klinikgebäuden Platz für die Abguss-Sammlung geworden“, sagt der Mann, der seit Jahren selbst der Bildhauerei nachgeht.
Vorpommern sei um eine Attraktion beraubt worden, mit der sich nun die Rostocker brüsten, heißt es. Dort hat man nämlich auch den touristischen Schauwert einer umfassenden Antiken-Sammlung erkannt und wirbt damit.
Mit dem Verbleib des „Jünglings von Tenea“ wollen Paul Kroll, sein Zwillingsbruder Peter sowie andere Kulturaktivisten in der Stadt daran erinnern, dass die Altertumswissenschaften und ihre archäologische Studiensammlung an der pommerschen Landesuniversität einst eine führende Stellung in Deutschland und Nordeuropa einnahmen. Vereinbart wurde mit der Uni, dass der Jüngling an einem gesicherten Ort öffentlich zugänglich sein sollte. Abguss hin oder her, er ist eine Kostbarkeit. Das Original entstand 560 vor unsrer Zeitrechnung in Korinth. Die Marmorstatue ist in der Glyptothek in München zu bestaunen. Wer nicht so weit reisen will, klingele bei Paul Kroll.
So ist aber die Obhut für den Jüngling nicht gedacht. Zunächst kam er nämlich in das auf pommersche Literatur spezialisierte Greifswalder Antiquariat Rose. Das hat vor einiger Zeit aus geschäftlichen Gründen schließen müssen und so hat sich Kroll der Not gehorchend des „jungen Mannes“ angenommen.
Scherzend sagt er, dass er ihm zum Zeitvertreib eine Eva zur Seite gestellt habe. Die wohlproportionierte Holzskulptur mit dem Lippenspiel der Mona Lisa haben seine Hände geschaffen. Doch zum Paar sind die beiden Kunstwerke nicht bestimmt. Denn für den Gips-Jüngling gilt vertraglich, dass er gut gesichert in einem öffentlich zugänglichen Raum ausgestellt werden soll. So sehr sich Paul Kroll auch in der Hansestadt darum bemüht hat, ein solcher Vermieter konnte noch nicht gefunden werden.
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