Januar 6, 2012
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Religion von Redaktion

Pommersche Kirchenburg braucht viele Schutzengel

Der Greifswalder Dom St. Nikolai ist auserkoren, Hauptkirche für die Mecklenburger und Pommern in der evangelischen Nordkirche zu werden. Auf den ersten Blick kaum zu sehen, sind seine Mauern keineswegs zukunftssicher.

Der Greifswalder Dom prägt das Bild der Hansestadt und das der pommerschen Kulturlandschaft auf einzigartige Weise.  FOTO: Archiv
Der Greifswalder Dom prägt das Bild der Hansestadt und das der pommerschen Kulturlandschaft auf einzigartige Weise. FOTO: Archiv
Foto: J.Koehler
Vorpommern. (Andreas Zecher)  

Zwölf Millionen Euro stehen in Rede, die eine bedarfsgerechte Sanierung kosten würde. Die Zahl stamme vom Architekten, der auf Bitten der Gemeinde eine Auflistung der dringlichsten Mängel angefertigt hat, sagt Dompfarrer Mattias Gürtler. Vier Millionen seien allein für die Bereiche Dach und Fach vonnöten, heißt es.


Anlass für die Begutachtung war eine Nachfrage der Krupp-Stiftung. Die habe sich bereit erklärt, 800000 Euro beizusteuern, wenn man das Maßnahmenpaket kenne und zudem deutlich werde, wie man vor Ort das Sanierungsprojekt bewältigen wolle. Bedenken, die Pastor Gürtler gut nachvollziehen kann. Schließlich habe der Spender im fernen Essen ein Recht zu wissen, wie es um das Engagement für den Greifswalder Dom in Mecklenburg-Vorpommern stehe.


Eine schlüssige Antwort darauf steht noch aus. Im November vergangenen Jahres wurde eine Geberkonferenz abgehalten. Wichtigste Signale für die Domgemeinde: die Deutsche Stiftung Denkmalschutz will sich engagieren, das Landesamt für Denkmalpflege seinen Beitrag aufstocken und der Bund seine Unterstützung für das „Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung“ fortsetzen. Wie es um die Hilfsbereitschaft in der Stadt und der Region bestellt ist, wenn es heißt: „Rettet den Greifswalder Dom“, das ist noch nicht aus gelotet.


Wie kein anderes Bauwerk prägt der Dom das Bild der Stadt. Doch auch mit der pommerschen Kulturlandschaft ist er auf das Engste verbunden, gibt Gürtler zu bedenken. Erinnert sei an die vielen Künstler, denen er „Modell gestanden“ oder die in seinen Mauern begeisterte Zuhörer und Zuschauer fanden. Aber reicht das aus, um eine langfristige Spendenaktion erfolgreich durchzuführen?, fragt man sich in der Domgemeinde. Die und nicht etwa die Landeskirche ist Eigentümerin der Backsteinkathedrale, deren Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurück reicht.
Im Domförderverein ist die Rede davon, dass eine Bürgerinitiative ähnlich der, die den Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche möglich machte, auch dem Greifswalder Dom helfen könnte. Was den Sachsen gelungen ist, müsste eine Herausforderung für die Menschen in Vorpommern sein, so die Überlegungen im Verein. Als hilfreich in der Sache wird erachtet, dass sich 2017 zum 500. Mal der Thesenanschlag Martin Luthers jährt, mit dem die Reformation ihren Anfang nahm. Wegbegleiter Luthers war der in Wollin geborene Johannes Bugenhagen, ein Pommer.

Wichtige Station auf Bugenhagens Bildungsweg: die Greifswalder Uni, deren Gründung 1456 durch den Wolgaster Pommernherzog fand im Dom statt. Das öffentliche Interesse am Reformations-Jubiläum könnte die Sanierung des Doms voranbringen, folgert Pastor Gürtler. Und er setzt auf die Unterstützung von Menschen, Unternehmen und Institutionen aus der Region, die sich die Rettung der „Kirchenburg“ zu eigen machen.

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