Februar 16, 2012
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Verkehr von Redaktion

Streit um waghalsigen Verkehrsplan

Wer als vorpommerscher Autofahrer in Greifswald bereits Bekanntschaft mit Radfahrern gemacht hat, weiß, denen ist mit Vorsicht zu begegnen. Ein Verkehrsprojekt bestärkt diese Einsicht.

Diese Kreuzung könnten Radfahrer bald auch quer passieren. Manche Radler machen dies kamikazehaft schon jetzt. [RS_CREDIT] FOTO: Andreas Zecher
Diese Kreuzung könnten Radfahrer bald auch quer passieren. Manche Radler machen dies kamikazehaft schon jetzt. [RS_CREDIT] FOTO: Andreas Zecher
Greifswald (Andreas Zecher)  

Für Autofahrer, die in Greifswald unterwegs sind, wartet eine neue Herausforderung: die Diagonalquerung der Europakreuzung. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni hat diese angebliche Erleichterung für radelnde Kommilitonen wieder ins Gespräch gebracht. Bereits im Jahr 2010 befürworteten die Studenten eine Diagonalquerung des vorpommerschen Verkehrsknotenpunktes. Auf Grundlage dieses
Meinungsbildeshat das Studierendenparlament jetzt einen Beschluss gefasst, in dem es neben der neuen Überquerung eine Vielzahl weiterer Verbesserungen im Fahrradnetz der Hansestadt geben soll.
Da das Thema in der Greifswalder Bürgerschaft von den Grünen erneut aufgegriffen wurde, erhoffen sich die Studenten die Besinnung der Stadtpolitiker auf frühere Beschlüsse und setzen auf die Berücksichtigung ihrer Vorschläge bei künftigen Entscheidungen.
Was die unerschrockene Schar der Pedalritter als attraktiv ansieht, bedeutet für Autofahrer, die auf dem Platz der Freiheit (Europakreuzung) unterwegs sind, einen gewöhnungsbedürftigen Anblick. Nämlich dann, wenn sie als Linksabbieger aus Richtung Wolgaster oder Anklamer Straße „Grün“ haben, begegnet ihnen auf der Mitte der Kreuzung der Strom der Radler, den es in die Altstadt zieht, beziehungsweise, der sie gerade verlässt. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn ein aus Anklam kommender Kraftfahrer hier abbiegt, um in der Tiefgarage am Markt zu parken.
Spruchreif ist die Sache allerdings noch nicht. Die umweltbewussten Befürworter des Projektes führen ins Feld, ihnen bringe das eine Minute Zeitersparnis. Kritiker halten die Kosten von rund 100 000 Euro für die Diagonalquerung dagegen und verweisen auf zusätzliche Gefahren. An den Kosten wird nicht gezweifelt. Beim erhöhten Unfallrisiko schon. Hier sagen die Befürworter, in all den Jahren, in denen Radler illegal eine Diagonalquerung vornahmen, sei es zu keinen Schäden gekommen. Dass manch Autofahrer beim plötzlichen Anblick eines derartigen Wagehalses das Herz in die Hose rutschte, findet dabei keine Erwähnung. Ebenso wenig, wie die bei den Kraftfahrern verbreitete Einsicht, beim Anblick eines Radfahrers müsse man in Greifswald immer mit den schlimmsten aller anzunehmenden Verhaltensweisen rechnen.
Derzeit liegt das vom Greifswalder Stadtplaner Gerhard Imhorst vorangetriebene Projekt auf Eis. Das heißt, im Stadthaushalt für das laufenden Jahr wurden dafür keine Mittel eingestellt. Die heftigsten politischen Kritiker der Diagonalquerung sind übrigens die Christdemokraten der Hansestadt. „Die CDU wird sich an diesem Geldvernichtungsabenteuer nicht beteiligen“,so der CDU-Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft, Axel Hochschild.„Wir haben im vergangenen Jahr aus gutem Grund gegen die Diagonalquerung gestimmt und werden dies in diesem Jahr wieder tun. Daran hat sich nichts geändert.“

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