
| Justiz |
von Redaktion
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„Von einem Stiefsohn hat er uns nie was erzählt", sagt einer der Männer in der Werkstatt der Gemeindearbeiter. Auch die anderen aus der Runde schütteln den Kopf. Doch die Staatsanwaltschaft in Stralsund hat Gewissheit: Der 28-Jährige ist mit dem Vorsatz nach Vorpommern gefahren, den Stiefvater zu töten. Gemeinsam mit seiner Schwester und der Mutter soll er vor 20 Jahren mit Oerkwitz unter einem Dach gelebt haben. Und der Stiefvater habe die Kinder drangsaliert.
Nach dem Gewaltakt ist der in Braunschweig lebende Verdächtige wieder nach Hause gefahren und hat sich dann einer Bekannten offenbart. Die Frau informierte daraufhin die Polizei. Die Ermittlungen nahmen damit eine überraschende Wendung. Die Beamten hatten bis dato noch eine andere Spur verfolgt: Im Haus des Opfers eingesetzte Spürhunde führten die Beamten in das fünf Kilometer entfernte Rubenow zu der Wohnung eines 49-Jährigen. Der am Dienstagabend in Gewahrsam genommen Verdächtige kam jedoch gestern wieder frei, nachdem die Meldung aus Braunschweig eintraf. Der Stiefsohn wird nun nach Vorpommern gebracht und dem Haftrichter vorgeführt. Totschlag lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.
Dass sich der Stiefsohn wegen angeblicher Missbrauchstaten aus dem Kindesalter rächen wollte, will im Dorf so richtig keiner glauben. Oerkwitz ein brutaler Stiefvater? Das seien Spinnereien, heißt es.Als „ganz vernünftigen und netten Menschen“ beschreibt Bürgermeister Burkhard Köpnick den ehemaligen Gemeindemitarbeiter.
„Jeder im Dorf hat sich Gedanken über die brutale Tat gemacht. Keiner konnte sich vorstellen, warum er umgebracht wurde. Es gab dort ja auch nichts zu holen“, erzählt Köpnick. Selbst das Haus in dem Hans Oerkwitz wohnte, war mit einer Hypothek belastet. Demnächst steht die Zwangsversteigerung an. Wenn es einen familiären Konflikt gegeben habe, so die Vermutung in der Gemeinde, dann eher, weil der Hans um keinen Preis aus seinem Heim weichen wollte. Für möglich wird gehalten, dass die geschiedene Frau ihren Teil am Grundstück beliehen haben könnte.
„Ich bin erst einmal erleichtert, dass der Täter geschnappt wurde“, sagt Bürgermeister Köpnick. Es sei alles „sehr tragisch“. Viele Einwohner fühlen offenbar genauso. Vor dem Haus des Toten brennen Kerzen. Jemand hat aus der Kaufhalle einen Blumenstrauß besorgt und in eine Vase gestellt. Eine Frau, die ihre Kinder von der Schule nach Hause bringt, sagt, das seien auch Zeichen dafür, dass man nach einer solchen Tat nicht einfach zum Alltag übergehen wolle.
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