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800 Jahre alter Herd aus Steinen freigelegt

VonTorsten Bengelsdorf

Ein Fenster in die Malchiner Vergangenheit öffnet sich derzeit bei den Grabungen in der Karl-Dressel-Straße. Die Funde führen zurück ins
13. Jahrhundert.

Malchin.Ältere Malchiner glauben sich noch genau zu erinnern. In der Kalenschen Straße, der heutigen Karl-Dressel-Straße, dort wo die Bagger jetzt die Baugrube für ein Wohn- und Geschäftshaus freilegen, hatte bis 1945 ein Goldschmied sein Geschäft. Da muss doch von dem teuren Edelmetall bestimmt noch etwas in der Erde liegen, haben Beatrix Schmidt und ihre Kollegen schon von einigen neugierigen Passanten gehört. Doch trotz aller Mühe: Auf Gold sind die Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege in der Dressel-Straße noch nicht gestoßen.
Dafür aber auf manch anderen kleinen Schatz, der zumindest für die Grabungsleiterin wohl kaum weniger wertvoll ist. Darunter ist ein Sechs-Pfennig-Stück, eine sogenannte Brandenburgische Landmünze mit der eingeprägten Jahreszahl 1691. „Das ist für uns natürlich sehr praktisch, wenn wir gleich ein Datum finden“, sagt Beatrix Schmidt.
Bei einem Spinnwirtel haben es unsere Vorfahren den Archäologen dann allerdings nicht so einfach gemacht. Bei dem Keramikteil müssen die Experten schätzen: 13. oder 14. Jahrhundert.
Zum ersten Mal nehmen die Denkmalpfleger den Bereich Dressel-/Rosmarinstraße genau unter die Lupe. Auch diese Ecke war bis zum Stadtbrand 1945 offenbar schon einige Jahrhunderte lang bebaut. Das belegt auch ein ganz besonderer Fund, den die Grabungsleute in den vergangenen Tagen mit großer Sorgfalt freigelegt haben: schräg angeordnete Backsteine, die eigentlich rot sind, hier an der Oberfläche aber eine schwarze Brandfärbung tragen. „Eine gut erhaltene Herdstelle ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert“, erläutert Beatrix Schmidt.
Genauso alt dürften einige Keramikscherben sein. Eine ist dabei mit äußerer Glasur und einer Brombeer-Verzierung. „So etwas hat man nur im 13. Jahrhundert angefertigt, das hörte danach gleich wieder auf“, weiß die Expertin.
Noch mehrere Wochen werden die Archäologen an der Rosmarin-Straße zu tun haben. „Wenn der Bagger eine Schicht abnimmt, weiß man nie, was auf einen zukommt. Das ist schon eine spannende Sache“, berichtet die Grabungsleiterin. Manche Überraschung sei da in den nächsten Tagen durchaus noch zu erwarten.

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t.bengelsdorf@nordkurier.de

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