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Als „Baumeister“ zur Berufsreife

David möchte eigentlich Kfz-Mechaniker werden, Paul Landwirt. Trotzdem bauen sie mit ihrem Lehrer Matthias Drebenstedt mit Feuereifer am Fachwerkhaus für den Kindergarten.  FOTO: Greisert
David möchte eigentlich Kfz-Mechaniker werden, Paul Landwirt. Trotzdem bauen sie mit ihrem Lehrer Matthias Drebenstedt mit Feuereifer am Fachwerkhaus für den Kindergarten. FOTO: Greisert

VonMathias Greisert

Den Abschluss mitnehmen und etwas Bleibendes zurücklassen. Sieben Jugendliche, die in Jördenstorf ihre Berufsreife nachholen, arbeiten an einem besonderen Geschenk für den benachbarten Kindergarten.

Jördenstorf.Ein blauer Dacia hält vor der Werkhalle. Ein Mann mit grau melierten Haaren und Dreitagebart schaut, ob der Anhänger mit den Dachziegeln richtig steht, bevor er den Motor abschaltet. Der junge Libanese Mohammed wedelt mit seinen Arbeitshandschuhen, während er auf seinen Lehrer Matthias Drebenstedt wartet. „Die kannst du schon mal vorsichtig auf die Tische hier stapeln“, zeigt der erst auf seine Ladung, dann auf die Werkbänke neben dem Hallentor. „Aber nicht zu hoch.“
Mohammed ist einer von 22 Jugendlichen, die bei der Jördenstorfer Außenstelle der Beruflichen Schule Güstrow eine zweijährige Berufsvorbereitende Maßnahme absolvieren. Er hat noch Probleme mit der Sprache. Sind die gelöst, findet er sicher schnell eine Ausbildung, schätzt Matthias Dreben-stedt. Die anderen Jungen und Mädchen hätten es schwerer. Sie haben entweder einen Förderschulabschluss oder ihre Schulen ohne Berufsreife verlassen. Die meisten von ihnen kommen aus der Region um Teterow.
Neben Deutsch-, Mathematik- und Sozialkundeunterricht können die Jugendlichen sich an einem Tag pro Woche auch praktisch versuchen: Bau, Holz, Metall und Hauswirtschaft stehen zur Auswahl. Für sieben von ihnen hat Matthias Dreben-stedt sich ein besonderes Projekt einfallen lassen, bei dem sie verschiedene Gewerke ausprobieren können. Ein Fachwerkhaus.
Das Holzgerippe mit einem klassischen Pfetten-Dach steht bereits. Dafür haben Mohammed und die anderen Jugendlichen in den letzten Wochen gemessen, zugeschnitten und die Balken fachgerecht verzapft, haben Gehrungen und Überblattungen passgenau gesägt und verschraubt. Für den Sockel haben sie Stahlbetonträger selbst gegossen. Übereinandergeschichtet und verputzt sollen sie später als Fundament für das etwa zwei mal drei Meter große Häuschen dienen. Vor dem Mauern geht‘s jetzt erst mal ans Dachdecken. „Wenn wir im Sommer noch Zeit haben, klempnern wir auch noch eine Dachrinne dran“, klopft Matthias Drebenstedt zwei seiner Schützlinge lächelnd auf die Schulter.
Wann sie das fertige Fachwerkhäuschen in seine einzelnen Segmente zerlegen und beim benachbarten Kindergarten aufbauen können, steht noch nicht fest. „Wir wissen auch noch gar nicht genau, ob es den Sicherheitsbestimmungen für ein Spielhaus entspricht“, gibt Matthias Drebenstedt zu. „Wir wünschen uns jedenfalls alle sehr, dass das Häuschen in Jördenstorf bleibt.“ Vielleicht, so hofft er, können zumindest einige seiner Schüler dann noch mehrere Jahre sehen, wie viel Freude ihr Werk den Kindern macht. Dann nämlich, wenn sie für ihre Ausbildung in Jördenstorf die Berufsschulbank drücken.

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