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Auf einen Schnack in den Laden

Annette Schliemann (links) mit ihrer treuen Kundin Elli Friedrichs. [KT_CREDIT] FOTO: Iris Diessner
Annette Schliemann (links) mit ihrer treuen Kundin Elli Friedrichs. [KT_CREDIT] FOTO: Iris Diessner

VonIris Diessner

Zum „Konsum“ gehen die Faulenroster noch immer gern. Annette Schliemann hat das Geschäft vor
21 Jahren übernommen.

Faulenrost.Elli Friedrichs steht vor dem kleinen Regal mit Spielzeug. Sie schaut sich die bunten Dinge an. „Am Sonnabend ist doch Kindertag, da brauche ich für die Nachbarskinder eine Kleinigkeit“, erklärt sie. Dafür müsse sie nicht extra nach Malchin fahren, meint die Frau aus Faulenrost. Bei Annette Schliemann im „Konsum“ finde sie immer etwas. Und ihre Lebensmittel kaufe sie ebenfalls hier ein.
Nun, zum Konsum gehört die „Einkaufsquelle“ in Faulenrost schon lange nicht mehr. Annette Schliemann hatte das Geschäft vor nunmehr 21 Jahren übernommen. Nicht ohne ein paar schlaflose Nächte und viel Grübeln. Aber zuvor hatte sie bereits seit 1986 im Dorfkonsum gearbeitet. Das machte die Entscheidung leichter. „Ich finde es jedenfalls nicht schlimm, wenn die Leute heute noch Konsum sagen“, meint die 49-Jährige und lächelt dabei. Wichtiger sei es doch, dass man gern zum Einkaufen hierher komme, trotz der nahen Discounter in Malchin oder Waren. Dafür tut die freundliche Frau aber auch eine ganze Menge. Nicht nur, dass Geld für Heizung, Dach und Außenanlagen in das Unternehmen gesteckt werden musste. „Es heißt für mich, immer wieder zu überlegen, was wird hier im Dorf gebraucht“, erklärt Annette Schliemann.
So gibt es bei ihr von Anfang an eine Frischetheke mit Wurst und Käse. Gerade die älteren Bewohner wollten doch meist nur kleine Mengen kaufen, da würden sie sich freuen, dass sie hier zwei Scheiben Bierschinken, zwei Scheiben Leberkäse und nur ein kleines Stückchen Teewurst mitnehmen können. Waschmittel und Haushaltschemikalien habe sie nicht mehr groß im Angebot, erzählt die Geschäftsinhaberin. Aber Rätselhefte, wie sich gerade Herta Vizente eins gekauft hat.
Morgens seien es natürlich vor allem frische Brötchen und Brot, die eingekauft werden. „Ich beliefere damit auch die Kita nebenan, denn dort wird für die Kinder täglich das Frühstück zubereitet“, erzählt sie weiter. Aber Annette Schliemann weiß auch, dass ihr Laden noch mehr als nur eine Einkaufsgelegenheit ist. „Da gibt es manchen kleinen Schnack, wenn sich die Leute hier treffen“, sagt sie. Auch auf Platt. Kein Problem für sie beim Verstehen. Aber selber spreche sie das Niederdeutsche nicht so gut. „Meine Mutter hat es uns gegenüber nur gesprochen, wenn sie mit uns geschimpft hat“, erklärt sie schmunzelnd. Na, da musste sie offenbar nicht so oft mit Tochter Annette schimpfen.
Viel Lob hört man auch von Denny Stramm, der gerade in den Laden kommt. „Annette hilft uns beim Fußball, wenn mal ein Kasten Bier oder belegte Brötchen gebraucht werden“, sagt der junge Mann. Da wird die Chefin richtig ein bisschen verlegen. Für sie gehört das doch einfach mit dazu. Deshalb freue sie sich auch, wenn zum Beispiel das Hamburger Ehepaar, das seit Jahren im Nachbardorf Rittermannshagen Urlaub macht, immer bei ihr einkauft. Ihr Geschäft ist eben doch mehr als nur eine „Einkaufsquelle“.

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i.diessner@nordkurier.de

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