Gerd Tschiesche im OP seiner Praxis. Der Spezialist für Chirotherapie betreibt neben seiner Arztpraxis ganzjährige eine ökologische Freilandhaltung auf Wiesen und Weiden im Trebeltal. Foto: Frank Hormann/dapd
Gerd Tschiesche auf seiner Weide bei Gnoien verfüttert alte Brötchen an eines seiner Pferde. Er ist einer von etwa 2000 Hobby-Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern, die ihren Ambitionen im Nebenerwerb nachgehen. FOTO: Frank Hormann/dapd
Gerd Tschiesche braucht gar nicht zu rufen. Sheik Abraham hat ihn längst gesichtet. Zielgerichtet führt der Araberhengst seine Herde zu dem auf der Koppel stehenden 67-Jährigen, der die Pferde mit Brötchen füttert.
Gnoien.Tschiesche ist promovierter Facharzt für Allgemeinmedizin in Gnoien und im Nebenerwerb Landwirt. Gemeinsam mit seinem Sohn bewirtschaftet er im Trebeltal einen rund 250 Hektar großen Hof. Dabei hat sich der Experte für Chirotherapie vor allem auf die Zucht von Araberpferden und die ganzjährige ökologische Freilandhaltung von Mutterkühen der Rasse Angus spezialisiert. Schon als Kind habe er sich im Naturschutz engagiert und dabei die Liebe zu den Tieren entdeckt, bekennt der Doktor. Seine ersten eigenen Schafe hatte der Warbelstädter sich schon als Jugendlicher zugelegt. In den Nebenerwerb eingestiegen ist Gerd Tschiesche nach der Wende, als niemand die Schafe der früheren Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) haben wollte, die Flächen aber aus Naturschutzgründen weiter beweidet werden mussten. Später trennte er sich von den Schafen und setzte auf Rinder und Pferde. Knapp die Hälfte der etwa 4700 Landwirtschaftsbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern wirtschaftet im Nebenerwerb. „Das ist wesentlich mehr als nur Spaß an der Freude. Das ist richtig harte Arbeit“, sagt Uwe-Ingolf Bäuerle, der die Interessen der Nebenerwerbslandwirte im Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern vertritt. Für Verbandspräsident Rainer Tietböhl sind die „Freizeitbauern“ unersetzlich. „Sie haben großen Anteil am Erhalt der Artenvielfalt im Tier- und Pflanzenbereich und bereichern so das Landschaftsbild“, sagt Tietböhl. Sorge bereiten allerdings Pläne der EU-Agrarkommission, Landwirte im Nebenerwerb ab 2014 von der Förderung auszuschließen. Der Präsident des Deutschen und Europäischen Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, kündigte auf der Agrarmesse Grüne Woche Ende Januar in Berlin als Interessenvertreter aller Landwirte entschiedenen Widerstand dagegen an. Der Gnoiener Gerd Tschiesche will allerdings auch im Fall des Auslaufens der EU-Förderung nicht von seinen Tieren lassen. „Ich bin von der Arabitis befallen“, sagt der Mediziner mit Blick auf seine Pferde. Sorge hatten ihm in den vergangenen frostigen Tagen die Futtervorräte für seine Tiere bereitet. Die zu Rundballen geformten und in Folie eingeschweißten Vorräte waren bedrohlich geschrumpft. Zunächst hatte der Regen bis weit in den Januar hinein sämtliche Wasserläufe über die Ufer treten lassen und große Flächen überschwemmt. Dann kam mit den Frostgraden das Eis auf Wiesen und Weiden im Trebeltal. „Schon den gesamten Sommer konnten wir wegen des Hochwassers kaum etwas ernten, anschließend im Herbst die Flächen nicht pflegen, und jetzt setzt das Eis noch einen drauf“, schimpft Tschiesche. Wenn das Eis taue, werde es noch Wochen dauern, bis das viele Wasser verschwunden sei. Erst dann könne neues Heu nachwachsen, sagt der Hobbybauer. Dann steigt er in seinen Jeep, um rechtzeitig zur Sprechstunde wieder in seiner Arztpraxis in Gnoien zu sein.