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Auto-Lärm: eine Stadt sucht ihre Stille

VonSimone Pagenkopf

Verkehrslärm gehört mittlerweile zu den größten Umweltproblemen. Jetzt fordert die EU zum Handeln. Auch die Teterower müssen und wollen etwas tun.

Teterow.Mehr als drei Millionen Fahrzeuge im Jahr, über 8000 am Tag rollen durch Teterow. Und zwar genau dort, wo sich die Bundesstraßen 104 und 108 treffen. Das ist nicht nur eine Menge Blech, das ist vor allem auch eine Menge Lärm. Und genau deshalb schreitet die Stadt jetzt zur Tat. Muss sie auch, denn im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) wurde entsprechend der Forderungen der europäischen Umgebungslärmrichtlinie eine sogenannte Lärmkarte für die Stadt erstellt. Jetzt geht es um Maßnahmen, die den Lärm, konkret Verkehrslärm, mindern.
Nach langer Zeit fand Mittwochabend mal wieder eine Einwohnerversammlung zu genau diesem Thema statt. Mit gerade mal sieben Interessierten war sie zwar mehr als schwach besucht, auf den Nägeln brannte den Teterowern aber eine Menge. Das beginnt schon damit, dass sie nicht nachvollziehen können, warum sich die vorliegende Lärmkarte nur auf den Straßenabschnitt ab Platz des Friedens durch die Poggestraße und die Güstrower Straße bis etwa Höhe Rennfahrer bezieht. Schließlich könne wohl keiner meinen, dass der Verkehr dann Richtung Bergring oder in die Stadt abdriftet, er rollt also weiter um die Grottenkurve herum. Warum ist dieser Bereich nicht mit aufgenommen, so die erste Frage. Man hätte auch die Bahnhofstraße einbeziehen müssen, hieß es weiter. Und natürlich wurde auch auf die Ortsdurchfahrt Ost verwiesen. „Wenn hier die Erntefahrzeuge dazukommen, steht man nachts senkrecht im Bett“, sagte ein Anwohner. Dazu kam der Hinweis, dass zunehmend Lkw von der Malchiner Straße zur Ortsdurchfahrt Ost abbiegen – was zurzeit nur wegen der Baustelle nicht geht –, um den ganzen Ampeln auf der Bundesstraße zu entgehen. „Die Häuser im Fischersteig stehen viel dichter als in der Poggestraße. Der Schall geht ja gar nicht weg“, hieß es.
Bauamtsleiter Uwe Hohen- egger war von vornherein klar, dass genau diese Dinge zur Sprache kommen. „Das reale Leben ist für mich auch ganz anders“, bemerkte er mit Blick auf den Kartenausschnitt. Nichtsdestotrotz müssten jetzt erst einmal Lärmprobleme auf Grundlage der Kartierung angegangen werden. Als nächster Schritt ist da ein Lärmaktionsplan zu erstellen. Das übernimmt Rainer Horenburg von der UmweltPlan GmbH Stralsund. Dass es viele Ampeln, aber keine grüne Welle auf besagtem Abschnitt der Bundesstraße gibt – diese Kritik nahm er gleich auf. „Über diese Problematik kann die Stadt jetzt mit dem Straßenbauamt auf Augenhöhe sprechen“, sagte er. Auch die Frage, warum die Ampeln abends nicht ganz abgeschaltet werden können, so wie in anderen Städten auch, stand einmal mehr im Raum. Zudem sei Tempo 30 eine mögliche Maßnahme zur Lärmminderung. „Da muss man sich dann aber auch gleich Gedanken machen, wie dies durchzusetzen ist, mit Kontrollen oder Querschnittseinschränkungen“, merkte Rainer Horenburg gleich an.
Ganz schnell weiteten die Teterower den Aktionskreis wieder aus. „Man kann doch gleich seine Hausaufgaben machen und andere Straßen mit einbeziehen“, hieß es. Und da kam erst einmal Folgendes auf den Prüfstand: Ob die 30 als Geschwindigkeitsbegrenzung in der Grottenkurve und auch am Ortseingang zusätzlich auf die Fahrbahn gemalt werden könnte, weil die Schilder leicht zu übersehen seien. Ob die 30er-Zone in der Stadt nicht von der Reuterstraße über die Kreuzung Otimarstraße hinaus bis zum Ortsausgang erweitert werden könnte. Die Kreuzung sei ein Schwerpunkt, vor allem wenn jetzt wieder mehr Kinder zur Jugendherberge und zum See unterwegs sind. Ob in der Börnung- und Neukalener Straße nicht auch wieder eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt werden kann, dazu eine Tonnagebegrenzung, die es schon mal gegeben hätte, wie Altanwohner sagen. Das alles wurde erst einmal notiert. Uwe Hohenegger wies aber auch darauf hin, dass die Stadt hier allein keine Entscheidungen treffen kann. Da müssen die Verkehrsbehörden ran.

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