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Bauern suchen den Super-Azubi

Auch bei einer Panne an ihrer teuren Technik müssen sich Landwirte zu helfen wissen. Für den Radwechsel an einem Mähdrescher-Anhänger hatten David Holz (links) und Mario Pfahl beim Berufswettbewerb der Auszubildenden in Jördenstorf 30 Minuten Zeit. [KT_CREDIT] FOTO: Mathias Greisert
Auch bei einer Panne an ihrer teuren Technik müssen sich Landwirte zu helfen wissen. Für den Radwechsel an einem Mähdrescher-Anhänger hatten David Holz (links) und Mario Pfahl beim Berufswettbewerb der Auszubildenden in Jördenstorf 30 Minuten Zeit. [KT_CREDIT] FOTO: Mathias Greisert

Von unserem RedaktionsmitgliedMathias Greisert

Zwei Tage lang kämpften jetzt an der Berufsschule in Jördenstorf angehende Landwirte um den Landestitel als bester Auszubildender und um vier Tickets nach Bayern.

Jördenstorf.Kauf ich die Kuh, oder kauf ich sie nicht? Bei der Suche nach den besten Landwirtschafts-Azubis des Landes war das jetzt in Jördenstorf zumindest für die Tierwirte eine entscheidende Frage. Acht von ihnen hatten sich über regionale Vorentscheide qualifiziert, außerdem 18 Landwirte. Nur zweien aus jeder Gruppe winkte am Ende ein Ticket zum Bundeswettbewerb Anfang Juni im bayerischen Schwarzenau.
Alle zwei Jahre rufen Bauernverband, Landjugend, Landfrauenverband und Schorlemer Stiftung bundesweit über 10 000 junge Fachkräfte verschiedener Bereiche zum Berufswettstreit. Neben Geldpreisen erwarten die Besten der Besten auch Fortbildungsreisen nach Berlin und Brüssel.
Während die Tierwirte im praktischen Teil des Landesausscheids in Jördenstorf drei Kühe nach äußerer Erscheinung, Zahl der Kälber und Milchleistung beurteilen mussten, stand für die Landwirte die Technik im Vordergrund. So mussten sie zeigen, dass sie Düngemengen berechnen und den Streuer an einem Traktor entsprechend einstellen können. Außerdem mussten sie beim Radwechsel an einem Mähdrescher-Anhänger Teamarbeit leisten. Eine besondere Aufgabe im theoretischen Teil war eine Präsentation, mit der sie für ihre Berufe werben sollten.
Der viel beschworene Fachkräftemangel in der Landwirtschaft ist für Magnus Hansen aus der Nähe von Grimmen kein Wunder, sagt er im Pausenraum der Jördenstorfer Berufsschule. „Die Löhne in anderen Berufen haben sich einfach besser entwickelt als in der Landwirtschaft“, zuckt er mit den Schultern. Schuld ist für sie daran vor allem die zu geringe Vergütung für ihre Produkte, sind sich die Nachwuchs-Landwirte einig. Viele Gleichaltrige würden sich kaum Gedanken über den Ursprung ihrer Lebensmittel machen.
Und dann sind da noch die Arbeitszeiten. „Wer hat heutzutage schon Lust, als Tierwirt jeden Tag um 3 Uhr früh aufzustehen“, kann Philipp Breitsprecher aus Krusenfelde bei Anklam andere Jugendliche verstehen. Für ihn sei aber schon immer klar gewesen, dass er Landwirt werden will. Dass man auf dem Mähdrescher sitzt, wenn andere an den See oder zum Dorffest gehen, gehört für Philipp eben dazu. „Man ist einfach auch stolz, am Anfang der Lebensmittelkette zu stehen“, sagt Magnus und die anderen stimmen eifrig zu.

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m.greisert@nordkurier.de

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