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Bienen-Alarm auf dem Markt

Ein Radlader des Teterower Stadtbauhofs muss den Blumenkübel anheben, damit Imker Hermann Westenhoff die Königin des Bienenvolks einfangen kann. [KT_CREDIT] FOTO: Greisert
Ein Radlader des Teterower Stadtbauhofs muss den Blumenkübel anheben, damit Imker Hermann Westenhoff die Königin des Bienenvolks einfangen kann. [KT_CREDIT] FOTO: Greisert

VonMathias Greisert

Ein Schwarm Bienen hat sich unter einem Blumenkübel vor dem Teterower Rathaus verschanzt. Dabei reißen sich förmlich neue „Vermieter“ um die Tiere.

Teterow.Als ihn zum Mittag der Hilferuf aus dem Teterower Rathaus erreicht, ist Hermann Westenhoff sofort zur Stelle. „Für Bienen habe ich immer Zeit“, lächelt er und tupft sich den Schweiß von der Stirn. Rotes Absperrband flattert zwischen Rathausecke und Hechtbrunnen: Betreten verboten. „Sind das Bienen oder Wespen“, fragt ein älterer Herr besorgt. „Nur gut, dass heute kein Markttag ist“, sagt ein anderer. Aus sicherem Abstand verfolgen auch einige Rathausmitarbeiter Hermann Westenhoffs Rettungsaktion.
Auf 300000 Tiere schätzt der Hobby-Imker das Bienenvolk, das sich unter dem Blumenkübel niedergelassen hat. Ein Teil bildet eine Traube um einen der Steine, auf denen der Pflanzbehälter steht. Irgendwo dazwischen muss die Königin sein. Warum sie ihr Volk mitten in die Stadt geführt, kann der Bienenexperte nicht erklären. „Vielleicht hat sich in der Umgebung ein Volk geteilt“, nennt er einen möglichen Grund.
Erwischt Westenhoff die Königin, kann er den Schwarm bändigen. Immer wieder besprüht er die Tiere aus einer Pumpflasche mit feinem Wassernebel. Das macht sie schwerer und beruhigt sie. Einen Teil der Bienen hat der Imker bereits in eine spezielle Holzkiste gefegt. Doch die Königin war anscheinend nicht dabei, sonst würden ihr die anderen Tiere nach und nach in die Kiste folgen. Ein Radlader des Stadtbauhofs muss her. Dem Fahrer ist nicht ganz wohl bei der Aufgabe. Nach kurzer Beratung mit dem Bienenfreund hebt er den Blumenkübel mit seiner Maschine an. Hermann Westenhoff fegt eine große Traube Bienen in seinen Kasten.
Gefährlich ist der Schwarm eigentlich nicht, erklärt der Imker. Für Menschen sei nur wichtig, die Ruhe zu bewahren, damit sich die Tiere nicht angegriffen fühlen. Einer Eingebung folgend, sucht Hermann Westenhoff noch einmal die Pflastersteine ab. Zwischen ein paar Artgenossen findet er plötzlich die Königin. Mit einer Metallklammer setzt er sie vorsichtig in die Kiste. Warten. In zwei bis drei Stunden wird er das Bienenvolk abtransportieren können.
Kaum beruhigt sich die Lage, steht auch schon ein Mann an der Absperrung und fragt, ob er den Bienenstamm für seinen Vater haben könne. Der sei nach herben Verlusten durch Milben gerade verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Volk. Doch Hermann Westenhoff gibt ihm einen Bienen-Korb. Er hat selbst gerade die Hälfte seiner Tiere verloren und wird seinem „Fund“ selbst ein neues Zuhause geben.

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m.greisert@nordkurier.de

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