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Clapps Liebling erlangt im Garten alten Ruhm zurück

Birgitt Hohenegger informiert Gerd Taufmann über den aktuellen Bestand im Doktorgarten.  FOTO: Pagenkopf
Birgitt Hohenegger informiert Gerd Taufmann über den aktuellen Bestand im Doktorgarten. FOTO: Pagenkopf

VonSimone Pagenkopf

Es gibt ihn etwa seit dem Jahr 1905, den Doktorgarten in Teterow. Heute werden die alten Obstbäume wieder besonders gepflegt.

Teterow.Prinz Albrecht von Preußen und Gravensteiner, die Köstliche von Charneux und Clapps Liebling und dann noch die Werdersche Braune – Kennern läuft da sicher schon das Wasser im Munde zusammen. Verbergen sich hinter den stolzen Namen doch Äpfel, Birnen und Süsskirsche, und zwar alte Sorten, die im Doktorgarten wachsen. Um 1905 wurde diese Obstplantage in Teterow angelegt, weiß Birgitt Hohenegger vom städtischen Bauamt. Eng arbeitet sie mit der Stiftung Umwelt und Naturschutz M-V, die seit 2006 Eigentümer ist, und dem Förderverein des Naturparks Mecklenburgische Schweiz zusammen, damit der Doktorgarten weiter gedeiht. So ist zum Beispiel vereinbart, dass die Stadt hier Ersatzpflanzungen vornimmt für Bäume, die im Stadtgebiet gefällt wurden. „Bevor wir am Feldrand Bäume setzen und die keine Chance haben, sich zu entwickeln, ist das hier viel besser“, weist Birgitt Hohen- egger in den Obstgarten. „Gott sei dank gibt es wieder Nachzüchtungen alter Sorten, so dass wir den Bestand hier so erhalten können. Die alten Bäume stellen ja auch eine Genreserve für Neuzüchtungen dar“, sagt Gerd Taufmann, Vorsitzender des Fördervereins des Naturparks. Ihm liegt der Doktorgarten seit Jahren am Herzen. Das fing an, als Günter Dettmann gleich 1990/91 nicht müde wurde, ihn in seiner Amtsstube – Gerd Taufmann leitete das kreisliche Umweltamt – aufzusuchen. „Da muss was gemacht werden, mahnte er immer wieder“, denkt Taufmann zurück. Und er erinnert auch, dass es durchaus Begehrlichkeiten gab, die Streuobstwiese zu bebauen. „Das haben wir aber abgebogen. Das ist hier doch etwas Besonderes.“
2,8 Hektar umfasst der Obstgarten. Durch Neupflanzungen wurde inzwischen die Quitte in den Obstbaumbestand mit aufgenommen. „Das ist so ein Sprintrennen“, sieht Gerd Taufmann schon schmunzelnd der nächsten Erntezeit entgegen. „Wer als erster da ist, kann als erster pflücken.“ Natürlich sollen Leute in den Obstgarten kommen. Gerd Taufmann sieht ihn als ökologisches Kleinod – gibt es hier doch viele Insekten, Käfer, Schmetterling, Vögel – und Naherholungsgebiet, sprich Rückzugsort für die Menschen gleichermaßen. „Spaziergänger genießen die Ruhe, den schönen Blick und freuen sich an den Bäumen“, weiß er. „Nur muss man auch vernünftig, pfleglich mit den Bäumen und Sträuchern umgehen, sonst werden wir nicht lange Freude daran haben“, fügt er hinzu. Selbst hat er in den zurückliegenden Jahren schon mit Studenten aus verschiedenen Ländern im Teterower Doktorgarten gearbeitet. Der komplette Baumbestand wurde aufgenommen, das Gras gemäht. Jetzt weiden hier Schafe und halten das Gras kurz. Was die nicht schaffen, arbeiten die Naturparkranger nach. Der Schnitt wird dann übrigens vor dem Garten abgelegt, Interessenten können sich das Heu holen, macht Gerd Taufmann noch aufmerksam.

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s.pagenkopf@nordkurier.de

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