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Datenklau bei der Stadtführung

Dietrich Krüger ist Stadtführer mit Leib und Seele. Die meisten seiner Führungen beginnt er auf dem Schlosshof in Stavenhagen. Denn von hier hat man die beste Aussicht.  FOTO: Eckhard Kruse
Dietrich Krüger ist Stadtführer mit Leib und Seele. Die meisten seiner Führungen beginnt er auf dem Schlosshof in Stavenhagen. Denn von hier hat man die beste Aussicht. FOTO: Eckhard Kruse

VonEckhard Kruse

Früher zeigte Dietrich Krüger drei bis vier Reisegruppen Stavenhagens Besonderheiten. Heute begrüßt er weniger Gäste. Er erzählt auch, warum.
Stavenhagen.Dietrich Krüger erinnert sich noch sehr gut daran, wie das Stavenhagener Schloss einmal ausgesehen hat. Zum Ende der DDR und auch noch in den ersten Jahren nach der Wende war es nicht das, was man eine Augenweide nennen kann. Es regnete vielfach durch, nur wenige Räume im Untergeschoss wurden genutzt. „Zuletzt als Pionierhaus“, weiß Krüger. So war das Schloss samt Schlossberg und Hofgelände lange Jahre kein Ort, um Touristen dorthin zu entführen – eine halbe Ruine, die dringend nach einem Investor und nach einer Sanierung schrie. Heute ist das altehrwürdige Gemäuer für Dietrich Krüger einer der schönsten Orte, wenn nicht sogar der schönste Ort überhaupt in der Reuterstadt. Hierher führt der gebürtige Stavenhagener alle Reisegruppen, die er als Stadtführer begleitet.
„Es ist ein guter Standort, wo man seine Führungen beginnen kann“, erzählt Krüger. Bevor er mit den Touristen durch die Altstadt gehe, könne er ihnen einen ersten Eindruck vermitteln. Krüger bringt den Reisenden die Entstehung Stavenhagens näher. Die Reisenden erfahren, dass das Schloss auf den Grundmauern der Burg derer von Stove steht. Er erzählt ihnen von Fritz Reuter. Und vom Schlosshof wirft er gemeinsam mit den Touristen einen Blick in den Schlossgarten, auf das Einkaufszentrum, das Industriegebiet mit Pfanni und Netto. „Wenn die Bäume noch kahl sind, kann man sogar das Neubaugebiet sehen“, sagt der 73-Jährige.
Diesen „Job“ als Stadtführer macht er schon seit der Wende. Anfangs waren es nur wenige Führungen. „Da haben wir auch noch gar kein Geld genommen“, sagt Siegfried Krüger. Mit der Eröffnung der beiden Hotels „Reutereiche“ und „Reuterhof“ war der Stadtführer dann viel häufiger gefragt. „Da hatte ich drei bis vier Führungen an einem Tag“, erinnert sich Krüger noch genau. Heute sind es nicht mehr so viele Reisegruppen, die eine Führung buchen. Doch für diesen Herbst hat Krüger wieder ordentlich zu tun. Zehn Anmeldungen liegen bereits vor.
Warum nicht mehr so viele Reisegruppen eine Stadtführung buchen, liegt für Krüger auf der Hand. Viele Busunternehmen müssten aufs Geld schauen und sparen die Ausgaben für den Stadtführer ein. Da gebe es oft nur einen Zehn-Minuten-Abstecher zum Markt, manchmal sogar ohne Reiseleiter. Krüger kennt aber noch einen anderen Grund: Er hat erlebt, wie Busunternehmen aus Süddeutschland bei seinen Führungen mitgeschnitten haben. „Sie haben dann ihr eigene Führung davon zusammengestellt.“ Das fand er nicht lustig. Und dann bat er auch schon mal darum, das Tonband auszustellen.
Wenn die Gruppen für eine Woche in Stavenhagen wohnen und von hier Ausflüge nach Rügen, Usedom, in die Seenplatte, zu Schlössern der Region machen, dann haben sie oft auch einen halben Tag für die Besichtigung von Stavenhagen und Ivenack Zeit. Dann zeigt Dietrich Krüger den Reisegruppen natürlich auch die Ausstellung aus der Franzosenzeit, das Fritz-Reuter-Literaturmuseum und einen Teil der Altstadt. Dabei vergehen die zwei Stunden wie im Flug. Bei den Drei-Stunden-Führungen bleibt noch Zeit für ein Abstecher nach Ivenack. Da steigt Krüger mit in den Bus, um den Touristen die Historie der Schlossanlage zu erläutern.
Dietrich Krüger hat sich aber auch zu den Schlössern rund um Malchin, Teterow und Stavenhagen belesen. Oft begleitet er die Touristen bei der Schlössertour nach Basedow, Ulrichshusen, Burg Schlitz, Groß Plasten und Kittendorf. An der Strecke zeigt er ihnen auch schon mal sanierungsbedürftige Herrensitze wie den in Varchentin. Da rührt er kräftig die Werbetrommel: „Hat jemand noch ’ne Mark übrig?“

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