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Die Landwirte wollen Ställe und Herzen öffnen

In der Tellower Thünenscheune stellt Vorsitzender Matthias Hantel eines der Schilder vor, mit denen künftig in den Dörfern geworben werden wollen. [KT_CREDIT] FOTO: M. Greisert
In der Tellower Thünenscheune stellt Vorsitzender Matthias Hantel eines der Schilder vor, mit denen künftig in den Dörfern geworben werden wollen. [KT_CREDIT] FOTO: M. Greisert

Von unserem RedaktionsmitgliedMathias Greisert

Für schlechtes Wetter kann keiner etwas, für ein schlechtes Image schon. Mit Offenheit und Aufklärungs- arbeit stemmt sich der Bauernverband Güstrow deshalb jetzt gegen Vorurteile und Negativ- Kampagnen.

Tellow.Die Landwirte des Bauernverbandes Güstrow wollen künftig stärker für ihren Berufsstand werben. Denn obwohl sich Futtermittel- und Pferdefleisch-Skandal ganz klar außerhalb der Landwirtschaft abspielten, leidet unter ihnen auch das Ansehen der Bauern. Das sagte jetzt Detlef Kurreck vom Landesbauernverband beim Jahrestreffen des Bauernverbands Güstrow in Tellow. Schuld sei daran häufig undifferenzierte Medien-Berichterstattung, oft aber auch falsche Vorstellungen von guter Landwirtschaft.
Falsche Vorstellungen hat auch Matthias Hantel schon bei manchem Besucher seines Milchhofs in Alt Sührkow beobachtet. „Immer weniger Menschen wissen wirklich, was auf einem Bauernhof geschieht“, sagt der Vorsitzende des Bauernverbands Güstrow. Letztlich führe das zu unrealistischen Vorstellungen von tiergerechter Haltung und erleichtere es Bürgerinitiativen oder Naturschutzorganisationen, Stimmung beispielsweise gegen den Bau neuer Ställe zu machen. „Wir wollen doch nur unsere Familien ernähren, wie jeder andere Unternehmer“, fordert er für Chancengleichheit gegenüber touristischen Unternehmen, Umweltschutz und Anwohnerinteressen. An jedem Arbeitsplatz in der eigentlichen Landwirtschaft hängen zudem fünf bis acht weitere Arbeitsplätze, zitiert Matthias Hantel Landwirtschaftsminister Til Backhaus. „Wir sind ein wichtiger Faktor in unserer Region und sollten uns mehr zeigen“, ermutigt er seine Kollegen.
Dafür hat der Verband jetzt knapp einen Quadratmeter große Schilder fertigen lassen. In jedem Dorf sollen sie künftig gut sichtbar die Verbundenheit der Landwirte mit ihren Heimatorten bekräftigen. Nach dem großen Erfolg des Tags des offenen Hofes bei den Gebrüdern Roder in Behren-Lübchin wollen die Bauern ihre Betriebe in diesem Jahr außerdem verstärkt für die Öffentlichkeit zugänglich machen. „Vorbehalte abbauen können wir nur, wenn die Menschen unmittelbar erleben, was wir tun“, wirbt Hantel bei seinen Verbandsmitgliedern für die Idee. Allerdings soll nicht nur Kritikern Einblick gewährt werden. So wollen die Bauern besonders auf die Schulen der Region zugehen.
Vielleicht, so hofft Matthias Hantel, können sie dabei auch wieder mehr junge Menschen für die Arbeit in der Landwirtschaft begeistern.

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m.greisert@nordkurier.de

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