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Die Möhre im Ring oder als an der Peene noch Tundra war

Helga Schnepf vom Malchiner Museumsverein (rechts) bedankt sich bei Elke Schanz vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege und bei Joachim Felgenhauer aus Verchen.
Helga Schnepf vom Malchiner Museumsverein (rechts) bedankt sich bei Elke Schanz vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege und bei Joachim Felgenhauer aus Verchen.

VonIris Diessner

Lange wurde sie von Heimat- und Museumsverein gewünscht. Nun ist endlich eine archäologische Ausstellung in Malchin zu sehen.

Malchin/Demmin.Wenn aus einem Hobby Leidenschaft wird, kann daraus Erstaunliches entstehen. In diesem Fall geht es um das Hobby des Joachim Felgenhauer aus Verchen. Mehr als vier Jahrzehnte war er als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger unterwegs. Im Laufe dieser Zeit hat er – oft zusammen mit Gleichgesinnten – so viele Funde zusammengetragen, dass eine wertvolle Sammlung entstand. Teile daraus sind jetzt im Malchiner Museum in der Stadtmühle zu sehen.
„Wir freuen uns riesig, dass wir unseren Besuchern nun endlich eine archäologische Ausstellung zeigen können“, sagt Michael Gielow, der Vorsitzende des Museumsvereins. Seit 2007 habe sich der Verein um eine solche bemüht. Nun freue man sich umso mehr, gerade die „Archäologischen Kostbarkeiten“, die Joachim Felgenhauer zwischen Peene und Kummerower See zusammengetragen hat, im Museum zu haben. Seien sie doch Zeugnisse der frühen Besiedlung der Region. „Sie zeigen unsere Wurzeln und wir können dadurch die Leistungen unserer Vorfahren besser würdigen“, meint Michael Gielow.
Auch Joachim Felgenhauer freut sich, dass ein Teil seiner Schätze nun in Malchin, beim Nachbarn sozusagen, ausgestellt ist. Natürlich wird er von den Besuchern der Ausstellungseröffnung nach Geschichten über seine Funde gefragt. Da lässt sich der Verchener nicht lange bitten. Natürlich habe jeder seiner Funde eine Geschichte, aber die vom slawischen Fingerring sei doch etwas ungewöhnlicher. Den Ring fand eine Verchenerin nämlich bei der Ernte ihrer Mohrrüben. Als sie das Gemüse putzte, sei ihr aufgefallen, dass eine der Rüben durch einen Ring gewachsen war. „Da sagte sie dem Schulmeister Bescheid, aber der meinte wohl nur, das müssen wir Herrn Felgenhauer zeigen“, erzählt dieser mit einem Schmunzeln. Schade, dass der Ring nicht mit in der Ausstellung ist, aber die Geschichte ist trotzdem hübsch.
Zu den wertvollsten Stücken zählen indes zwei unscheinbare „Steine“. Dies seien Stielspitzen, erklärt Dr. Ulrich Schoknecht, der Nestor der Bodendenkmalpflege. „Die stammen aus dem Ende der Altsteinzeit, als hier noch Tundra war“, sagt er. 45 dieser Stielspitzen habe Joachim Felgenhauer auf dem Werder an der Peene gefunden, das sei die größte Konzentration in ganz Mecklenburg.
„Eine tolle Ausstellung, der man wirklich viele Besucher wünscht“, meint auch Günter Busse, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Malchin (WOGEMA). Er hat dann eine Idee, die er gleich mit dem Museumsverein bespricht. „Ich habe mir überlegt, wir geben dem Museumsverein für jeden Besucher 50 Cent“, sagt Günter Busse. Damit könne vielleicht der eine oder andere zum Besuch angeregt werden, weil er damit auch etwas Gutes für das Museum tun kann. Vor allem wünsche er sich, dass Kinder und Jugendliche kommen, schließlich sei hier viel Geschichte zu erleben.
Die Öffnungszeiten der Stadtmühle: Dienstag bis Freitag von 10 bis 12 und von 13 bis 15 Uhr. Am Sonntag ist das Museum von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Ganze Schulklassen sollten sich aber vorher anmelden, bittet Helga Schnepf vom Museumsverein.

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i.diessner@nordkurier.de

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