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Drohne alarmiert Datenschützer

Kreist demnächst so eine kamerabestückte Flugdrohne über Malchin?  FOTO: David Ebener
Kreist demnächst so eine kamerabestückte Flugdrohne über Malchin? FOTO: David Ebener

VonTorsten Bengelsdorf

Der Einsatz einer Flugkamera über der Stadt Malchin für einen Werbefilm wird immer fragwürdiger. Datenschützer melden Bedenken an.

Malchin.Die Drohne ist noch gar nicht in der Luft, macht aber schon richtig Ärger. Ganz so harmlos wie das Malchiner Rathaus den Einsatz eines unbemannten Flugobjektes für einen neuen Imagefilm sieht, sind die geplanten Luftaufnahmen nicht. Gerade erst hat sich der Landesdatenschutz-Beirat mit den Drohnen-Flügen beschäftigt. Es gebe dabei nämlich zahlreiche datenschutzrechtliche Fragen und ungelöste Probleme, wie der Landtagsabgeordnete Peter Ritter (Die Linke) berichtet. „Die Stadt Malchin wäre daher gut beraten, wenn sie vor dem Start der Flugkamera den Landesdatenschutzbeauftragten konsultiert“, meint Ritter. Malchins Wirtschaftsförderer Reinhard Dorn hatte zuvor angekündigt, dass ab Mitte nächster Woche eine Drohne für drei Tage über Malchin schweben werde, um Luftaufnahmen in HD-Qualität für einen neuen Werbefilm der Stadt zu machen.
„Solch eine Drohne hatte kürzlich auch ein Makler eingesetzt, um seine Objekte zu filmen. Da haben wir eine bestimmte Auflösung der Aufnahmen gefordert, die sicherstellt, dass Personen nicht mehr zu erkennen sind“, berichtet Ina Schäfer, Referatsleiterin beim Datenschutzbeauftragten des Landes. Dass allzu private Aufnahmen aus der Flugdrohne für den Image-Film einfach herausgeschnitten werden sollen, wie es Malchins Wirtschaftsförderer angekündigt hat, damit will sich die Referatsleiterin nicht zufrieden geben. Die Frage sei doch, wo diese Aufnahmen dann landen. Auch Peter Ritter schüttelt bei dem Malchiner Film-Projekt mit dem Kopf: „Wer entscheidet, was ,allzu privat‘ ist, wer veranlasst und überprüft die Löschung solcher Szenen, wer stellt sicher, dass diese Szenen wirklich gelöscht werden?“, fragt Ritter. Er erinnert an einen großen Internetbetreiber, der vor nicht all zu langer Zeit Straßen und Häuser filmte und diese ins Netz stellte. Betroffene konnten dagegen Widerspruch einlegen. Gilt das auch für den Drohnen-Einsatz?
„Es wäre schon nicht schlecht, wenn die Stadt Kontakt mit uns aufnimmt“, meint denn auch Referatsleiterin Schäfer. Peter Ritter sieht sogar die Gefahr, dass der neue Werbefilm der Stadt Malchin aus Datenschutzgründen vielleicht gar nicht gezeigt werden darf. Und die eingesetzten Städtebaufördermittel und Spendengelder dann umsonst verflogen würden.
Wirtschaftsförderer Dorn verwies unterdessen gegenüber unserer Zeitung auf einen Vertrag mit der Firma, die die Drohne in die Luft schickt. Darin sei festgelegt, dass sämtliche rechtliche Regelungen auch eingehalten werden. Ganz allein darauf verlassen will sich die Stadt nun aber offenbar doch nicht: Dorn kündigte an, sich bei der Datenschutzbehörde melden zu wollen, bevor die Drohne am Mittwoch abhebt.

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