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Ein grauer Kasten gewinnt immer mehr an Charme

Strahlende Gesichter bei Gabriele und Mario Lenkeit: Halbzeit bei der Sanierung ihres Gutshauses. Heute geben beide unumwunden zu, dass sie den Umfang der Sanierung deutlich unterschätzten.  FOTO: Gerald Gräfe
Strahlende Gesichter bei Gabriele und Mario Lenkeit: Halbzeit bei der Sanierung ihres Gutshauses. Heute geben beide unumwunden zu, dass sie den Umfang der Sanierung deutlich unterschätzten. FOTO: Gerald Gräfe

VonGerald Gräfe

Symbolische Halbzeit in Bobbin: Das klassizistische Gutshaus wird seit zehn Jahren Stück für Stück saniert und restauriert – die Hälfte ist geschafft.

Bobbin.Das Gutshaus von Bobbin kommt grob betrachtet als grauer Kasten daher. Dennoch verliebten sich vor zehn Jahren Gabriele und Mario Lenkeit in diesen Bau. Die Architektin sah das Gutshaus und war von ihm begeistert: „Ich fand es gleich schön, denn es ist groß und hat Säulen...“ So suchte sie zu erklären, warum sie das arg sanierungsbedürftige, ruinöse Gebäude 2003 erwarb. „Ich habe eine Frau mit einem Klotz am Bein geheiratet“, meinte damals lachend Ehemann Mario. Wohl zehn Jahre werde man benötigen, bis das denkmalgeschützte Haus wieder im originalen Glanz erstrahlen kann. Viel zu kurz gedacht, wie sich bald zeigte.
„Wenn ich damals geahnt hätte, was es an Zeit, Kraft, Nerven und Geld kostet, dann hätte ich wohl eher gesagt, wir lassen es.“ Solche Momente des Zweifelns gesteht Mario Lenkeit heute ein. Doch die Zwischenbilanz ist hoffnungsvoll: Zwei Fassaden wurden verputzt, 57 originale Fenster saniert und sechs fehlende rekonstruiert, 200 Fensterscheiben ausgewechselt beziehungsweise eingesetzt, 15 Zimmer mit originalen Lehmbausteinen saniert, elf Innentüren nach historischem Vorbild neu gefertigt... Wohl nochmals zehn Jahre werde man benötigen, prognostiziert der Informatiker Lenkeit. Einen genauen Termin mag er nicht nennen. Doch eines sei sicher: „Laden Sie die Leser des Nordkurier für das zweite Septemberwochenende im Jahr 2025 ein.“ An diesem Tag des offenen Denkmals werde man den 200. Geburtstag des Hauses feiern: 1825 war der klassizistische Neubau für den Gutsherren Anton von Blücher fertig gestellt worden.
Doch wer neugierig ist, der kann schon jetzt einige der Räume beschauen: Zum einen nach Anmeldung vierzehntägig sonntags nach dem Flohmarkt im Speicher. Oder Pfingsten zur Aktion „Kunst: offen“. Dann stellen gleich drei Künstler ihre Werke im Haus aus. Denn eines ist Lenkeits wichtig: „So ein Gutshaus gehört als Denkmal und als Mittelpunkt eines Dorfes saniert und muss auch zugänglich bleiben.“

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