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„Eine fatale Fehlentscheidung“

Dirk Wiegert und andere Stavenhagener richteten ihre Fragen an Verbandsvorsteherin Inge Maischak (links) und an die Geschäftsführerin Petra Tertel.   FOTOs: Eckhard Kruse
Dirk Wiegert und andere Stavenhagener richteten ihre Fragen an Verbandsvorsteherin Inge Maischak (links) und an die Geschäftsführerin Petra Tertel. FOTOs: Eckhard Kruse

VonEckhard Kruse

Stellt der Wasserzweckverband seine Kalkulationen aus dem Bauch heraus auf? Das wollen Stavenhagener Bürger wissen.

Stavenhagen.Ein Knistern lag im Stavenhagener Schlosssaal in der Luft. Stadtvertreter, Bürger und die beiden Gäste vom Wasserzweckverband Malchin-Stavenhagen waren gleichermaßen gespannt, welche Fragen und Antworten zum heiklen Thema der Gebührenerhöhung beim Trinkwasser diskutiert werden. Und es waren wohl die trockene Luft und die Aufregung, die dafür sorgten, dass Verbandsgeschäftsführerin Petra Tertel gleich nach den ersten Sätzen um ein Glas Darguner Wasser bat, das stets für die Stadtvertreter bereit steht.
Petra Tertel und Verbandsvorsteherin Inge Maischaik hatten auf Wunsch der Stadtvertreter in den Zuschauerreihen Platz genommen, um Rede und Antwort zu stehen. Frau Tertel erläuterte die gesamte Situation, wie es zu der enormen Gebührenerhöhung kommen konnte. Sie nannte erneut die Gebührenunterdeckung von 149 000 Euro, die im Jahr 2009 offenbar wurde, und von der man gedacht hatte, in jedem der drei Folgejahre 63 000 Euro ausgleichen zu können. „Das war eine fatale Fehlentscheidung“, räumte sie ein. Denn im Nachgang gingen die Wasserabnahmen von Cargill und Immergut zurück, die Rapsveredlung Malchin meldete Insolvenz an. So war die bis dato günstige Gebühr nicht mehr zu halten. „Wir gehen in der neuen Kalkulation jetzt von rückläufigen Wasserabnahmen aus.“
Diese Aussagen machten viele Zuhörer im Saal stutzig. Goldschmiedemeister Dirk Wiegert betonte, dass er kaum mehr schlafen könnte, wenn seine Firma in so eine Lage gerutscht wäre. Er wollte wissen, ob die Wirtschaftsprüfer keine rechtzeitigen Hinweise gegeben haben. Steffen Müller fragte, ob der Verband bei den Großbetrieben nicht nachfragt, wie sie selbst ihre weitere Entwicklung einschätzen. „Oder haben Sie die Kalkulation aus dem Bauch heraus gemacht?“ Und Wilfried Böhme, Chef des Handels- und Gewerbevereins, kritisierte, dass steigende Kosten von Energie, Material und Wartung alles Dinge seien, die nicht von jetzt auf gleich eintreten und die man einplanen könne.
„Der Wirtschaftsprüfer hat ab 2009 Warnzeichen gegeben“, erläuterte Petra Tertel. Es habe aber so ausgesehen, als dass es möglich wäre, das Defizit auszugleichen. Doch da habe man einen zu großen Optimismus an den Tag gelegt. „Das werde ich nicht wieder tun“, sagte sie. Bis dahin hatte der Verband noch ausreichend Geld in der Hinterhand. „Erst 2011 hat sich diese Situation verschlechtert.“
„Der Vorstand hat es sich nicht leicht gemacht“, beteuerte die Verbandsvorsteherin Inge Maischak. In vielen Sitzungen mit Bürgermeistern und Rechnungsprüfungsausschuss habe man beraten und entschieden „Diese Variante ist am sozialverträglichsten.“ Sie weiß auch, dass es jede Gebührenerhöhung schmerzlich ist. „Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich immer im Interesse aller Einwohner arbeiten werde“, betonte Inge Maischak. „Dazu stehe ich auch heute noch.“
Ein Satz aus den Kritiken der vergangenen Tage habe ihr indes weh getan. Sie meinte den Hinweis zum teilweisen Lohnverzicht für die Verbandsmitarbeiter aus dem Gewerbeverein. „Ist das die Sozialpolitik des Gewerbevereins?“, fragte sie.
Ein Zwei-Personen-Haushalt zahlt 47 Euro mehr im Jahr, ein Sechs-Personen-Haushalt 83 Euro mehr, so Petra Tertel. Die Ungleichheit sei durch die höhere Grundgebühr pro Hausanschluss bedingt, durch die der Verband in Zukunft weniger abhängig vom Trinkwasserverbrauch sein will.

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