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Einer, der die Flucht nach vorn antrat

Reinhard Ahnert mit seinen Söhnen Danilo (links) und Stefan [KT_CREDIT] FOTOs: privat
Reinhard Ahnert mit seinen Söhnen Danilo (links) und Stefan [KT_CREDIT] FOTOs: privat

VonSimone Pagenkopf

Volle Auftragsbücher.
20 Jahre gibt es die
Firma Dachbau Ahnert in Teterow und sie ist gut
im Geschäft.

Teterow.„Das war meine schönste Arbeit.“ Schmunzelnd zeigt Reinhard Ahnert auf ein Bild in seinem Büro. Er hatte gerade seine zweite Ausbildung als Zimmerer gemacht, da zog es ihn in seiner Geburtsstadt Gnoien auch schon hoch auf den Kirchturm. „Wir haben damals die Standsicherheit des Turms wiederhergestellt“, erzählt er. „Das war Mitte der 70er-Jahre.“ Es sind etliche Fotos dazugekommen. Seine Visitenkarte hat der Teterower Unternehmer nicht nur in der unmittelbaren Region, sondern vielfach auch in Rostock, auf Rügen, Usedom, in Hamburg, Berlin, selbst Kassel hinterlassen. „Im Umkreis von Rostock arbeiten wir aber zu 80, 90 Prozent“, sagt Reinhard Ahnert, der inzwischen seit 20 Jahren seinen eigenen Betrieb führt.
„Eigentlich hätte ich mich schon 1990 privat machen sollen, aber der Apfel war noch nicht reif. Ich brauchte ein bisschen länger“, denkt der 57-Jährige zurück. Es war eine „Flucht nach vorn“, die er schließlich antrat. „Meine Frau sollte wieder Arbeit haben. Ich sah damals keine Zukunft mehr für die Hoch- und Ausbau GmbH, die aus dem einstigen VEB (K) Bau entstanden war. Und ich wollte auch meinen Jungen mit rüberholen.“ Er gründete 1993 seinen Handwerksbetrieb mit fünf Beschäftigten, hatte erst einmal gar keine anderen Räume als zu Hause eine kleine Speisekammer, bis er sich abends und an den Wochenenden das alte Heizhaus im Gewerbegebiet Vietsmorgen für seine Firma umbaute. Da fällt der Blick dann auch wieder auf die Bilderwand. Natürlich ist auch diese Zeit dokumentiert. Außerdem ist die Burgwall-Gaststätte zu sehen. „Die haben wir komplett aufgebaut, Fachwerk und Dach.“ Dann der Teterower Markt unter anderem mit dem Haus der Wohnungsgesellschaft und der Sparkasse oder die AWG-Häuser in Nordwest. „Jetzt arbeiten wir unter anderem im Bahnhof und in der nächsten Woche bauen wir übrigens den 1000. Dachstuhl, nur für Eigenheime.“
Reinhard Ahnert ist zufrieden. Dachdecker, Zimmerleute, Dachklempner gehören zu seinem 17-köpfigen Team. Das Auftragsbuch ist voll. „Im Moment könnte ich acht Mann mehr gebrauchen“, bekennt er. „Aber wir werden jetzt abends länger und auch sonnabends arbeiten. Die Kollegen wissen das. Wir hatten ja einen langen Winter.“ Bei seinem Stammteam will er bleiben. Vorstellen kann er sich, wieder einen Lehrling zum Dachdecker auszubilden, verhehlt aber auch nicht, dass es im vergangenen Jahr nicht eine Nachfrage nach einer Lehrstelle gab.
Ob er seine Entscheidung für einen eigenen Betrieb schon mal bereut habe? „Manchmal ja“, gibt Reinhard Ahnert zu. Wenn er spät vom Aufmaß nach Hause kam, andere längst beim Grillen saßen. „Es gab auch Zeiten, wo man viel Geld verloren hat“, denkt er an schlechte Zahlungsmoral. „Aber von der Arbeit her habe ich es nie bereut. Ich freu‘ mich über das, was wir schaffen.“ Nicht nur seine Frau, auch seine Söhne Danilo, der 1999 seinen Dachdeckermeister machte, und Stefan, der als Zimmerer kurz vor der Meisterprüfung steht, gehören zum Familienunternehmen. In ein paar Jahren will Reinhard Ahnert in die zweite Reihe treten. Ganz aufhören? „Nein. Wir haben hier alles mit eigenen Mitteln aufgebaut. Das ist unser Baby, das wird geschaukelt bis zum Schluss.“

Kontakt zur Autorin
s.pagenkopf@nordkurier.de

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