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Einst fast platt und nun voller Leben

Die Schlutower: Sie freuen sich schon auf ihr Dorffest und haben sich zur Jahrfeier wieder etwas Besonderes einfallen lassen.  FOTO: Simone Pagenkopf
Die Schlutower: Sie freuen sich schon auf ihr Dorffest und haben sich zur Jahrfeier wieder etwas Besonderes einfallen lassen. FOTO: Simone Pagenkopf

VonSimone Pagenkopf

Noch hüten sie ihr Geheimnis. Aber wer die Schlutower kennt, weiß, dass sie zur 835-Jahr-Feier ihres Dorfes etwas Besonderes in petto haben.

Schlutow.Auf rund 90 schätzen sie ihre Zahl. Pi mal Daumen. Natürlich könnte man im Einwohnermeldeamt nachfragen. Aber spätestens am Sonnabend wissen ohnehin alle, wie viele Schlutower es ganz genau gibt. Bis dahin ist nämlich jede Familie vor ihrem Haus fotografiert. Die Bilder sind für eine Ausstellung bestimmt, die zur 835-Jahr-Feier des Dorfes gezeigt wird.
Dabei war Schlutow zu DDR-Zeiten schon fast platt, sprich, kaum jemand wollte hier noch leben. „Was willst du in Schlutow, da verlernst du sprechen und den aufrechten Gang“, hieß es. Axel
Krecklow kann sich gut erinnern, dass er für verrückt erklärt wurde, als er nach einem kurzen Abstecher nach Gnoien in seinen Heimatort zurückkehrte. Es gab dafür seinerzeit aber auch ganz praktische Gründe. Der Wohnungsmangel rangiert ganz oben. Die Neubauten in der Stadt waren belegt, also zog man dahin, wo man ein Nest für sich und die Familie fand. „Nach der Wende gab es mit mal eine Sogwirkung“, erzählt Reiner Urban, der selbst auch nach Schlutow zurückkehrte. Konrad Paetow, der hier 1990 seinen Landwirtschaftsbetrieb aufbaute, habe viele animiert, zurückzukommen. „Er hat hier was bewegt und auch immer alle unterstützt“, sagt Reiner Urban. Und auf dem Hof, den inzwischen der Sohn führt, wird am Sonnabend auch gefeiert. Selbst aus Amerika haben sich Gäste angekündigt, sind zur Jahrfeier doch auch alle ehemaligen Schlutower eingeladen.
Indes kommen bei Birgit und Bernd Clafehn ein gutes Dutzend Frauen und Männer, dazu auch einige Kinder zusammen. Für sie beginnt die heiße Phase. Proben für die große Show. Allerdings noch im Geheimen. Keiner will verraten, was abends gegen 21 Uhr auf die Bühne kommt. Nur so viel: Jede Menge Spaß sei programmiert. Und darauf kann wetten, wer die Schlutower kennt, die sich schon von Top Model, Kessel Buntes oder Neuer Deutscher Welle inspirieren ließen. Ihre Shows zum Dorffest sind nämlich inzwischen in der Umgebung legendär.
Dabei fing alles mal recht klein an. Mit einer spontanen Kindertagsfeier. 16 Jahre ist das her. Mit Laternen und viel Lärm ging es durchs Dorf. Die Ur-Einwohner haben sich gefreut, dass was los war. „Aus dem Kindertag ist das Dorffest geworden. Die Mittel dafür haben wir uns ersungen. Mit Akkordeon, Gitarre und Flöte sind wir durchs Dorf gezogen. Jeder hat was gegeben“, erzählt Iris Möller. Längst sind die Schlutower eine eingeschworene Gemeinschaft. „Möge es lange so bleiben“, bemerkt Axel Krecklow. Aber dafür tun die Dorfbewohner ja auch was. Das Dorffest organisieren sie komplett allein. Dann backt zum Beispiel ganz Schlutow Kuchen, gerade auch die Älteren. Und hauptsächlich für sie gibt es seit ein paar Jahren immer am letzten Augustwochenende noch eine besondere Veranstaltung: „Klavier am Teich“. Was Schlemmin mit Swimming Piano kann, können die Schlutower auch. „Wir haben ja einen kleinen Dorfteich und einen jungen Mann, der Klavier spielt, auch“, sagt Iris Möller schmunzelnd. Also kommt das E-Piano dann raus.
Aber noch einmal zurück zum Dorffest. Die abendliche Show wird natürlich aufgenommen. Zwei bis drei Kameras laufen mit, damit die Akteure sich dann auch selbst sehen können. Und wenn sie tags darauf alle gemeinsam aufgeräumt und gemeinsam Mittag gegessen haben, ist erst mal Video-Zeit. Übrigens haben sich die Schlutower in vergangenen Jahren nach den Dorffesten auch schon ein Stück weit selbst belohnt, zum Beispiel mit einem Besuch in der Mecklenburger Metallguss GmbH in Waren oder einer Fahrt nach Berlin.

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