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Einstiger Schandfleck wandelt sich zu sehenswertem Kleinod

Zu den jüngsten Sanierungserfolgen bei Gutshäusern der Region gehört Alt Sührkow. Matthias Hantel (links) und Hermut Annuß ließen sich von historischen Originalaufnahmen leiten. [KT_CREDIT] FOTO: Eberhard Rogmann
Zu den jüngsten Sanierungserfolgen bei Gutshäusern der Region gehört Alt Sührkow. Matthias Hantel (links) und Hermut Annuß ließen sich von historischen Originalaufnahmen leiten. [KT_CREDIT] FOTO: Eberhard Rogmann

VonEberhard Rogmann

Die Eigentümer wechselten wie auf einem Karussell, bis der Milchhof Alt Sührkow das Gutshaus im Ort in feste Hände nahm und investiert.

Alt Sührkow.Die wenigsten, die das Gutshaus in Alt Sührkow ansteuern, lassen sich von dessen historischer Architektur locken. Dennoch steht ihnen der Sinn nach Geistigem – konkret Whisky. Dafür ist Hantas Wirtsstube unter dem Dach des alten Gemäuers seit Jahren eine erlesene Adresse. Mehr als 60 Sorten hat Simone Hanta zu bieten. Dass dieses Gebäude vor zwei Jahren von Grund auf saniert wurde, kam für die Betreiberin des Lokals einer Rettung gleich. Die Jahre zuvor glichen nämlich einer Odyssee in schwierigen Gewässern. Die Eigentümer wechselten wie auf einem Karussell und mehrfach erhielt die Wirtin Kündigungen ihres Pachtvertrags. Sie ließ sich nicht einschüchtern und kämpfte quasi an internationaler Front. Denn das Haus hatte, nachdem die Gemeinde es Ende der 1990er-Jahre veräußerte, unter anderem Schweizer, Spanier und Chinesen als Eigentümer. Bürgermeister Reinhard Mucke – er hatte hier sein Gemeindebüro, als er im Mai 1990 die Amtsgeschäfte übernahm – war zwischenzeitlich in Verlegenheit, wurde er nach dem aktuellen Besitzer gefragt. An eine Sanierung ging keiner der flüchtigen Eigentümer.
Diesem Treiben bereitete der Milchhof Alt Sührkow ein Ende. 2010 erwarb er das Anwesen und damit begann eine neue Ära. Die Sanierung setzte in der Wirtsstube an. „Daran hängen schließlich drei Arbeitsplätze“, begründet Matthias Hantel, Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebs, diese Entscheidung. Bei den Bauarbeiten ließen sich Hermut Annuß, Gesellschafter des Milchhofes, und Matthias Hantel weitergehend von historischen Originalaufnahmen leiten, wobei sie eng mit dem Denkmalschutz zusammenarbeiteten. So wurde der Stuck in etlichen Räumen durch die Teterower Baufirma Sonnenburg in Handarbeit rekonstruiert. Originaltüren aufgearbeitet. Mittlerweile ist das Erdgeschoss komplett saniert, die Außenfassaden sind erneuert. Und auch die Parkanlage hat ihren Charme wiedergewonnen. Das Gut wandelte sich von einem desolaten Schandfleck zu einem sehenswerten Kleinod. Aus dem Blickwinkel der Kunst ist es nicht nur in architektonischer Hinsicht bedeutsam. Auch in der Literatur findet man seine Spuren. So beruht die Schilderung der Vertreibung eines Gutsbesitzers in der Revolution von 1848 in Fritz Reuters „Stromtid“ auf authentischen Ereignissen auf Gut Alt Sührkow, wie der Reuter-Experte Arnold Hückstädt herausfand.

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e.rogmann@nordkurier.de

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