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Feuerwehr feiert Hundertsten an fiktivem Gründungstag

VonEberhard Rogmann

Mehrere Jahre standen zur Auswahl, die als Anfang der Feuerwehr in Groß Wokern in Frage kommen. Die Gemeinde entschied sich für 1913.

Groß Wokern.Mit einem großen Fest feiert Groß Wokern morgen den 100. Jahrestag seiner Feuerwehr. So selbstverständlich wie das klingt, ist es nicht. Denn es bedurfte eigens eines Beschlusses der Gemeindevertretung, um das Gründungsdatum festzulegen. „Eine Gründungsurkunde gibt es nämlich nicht. Also mussten wir mit anderen Dokumenten die Existenz der Wehr nachweisen“, schildert Thomas Krix das Problem. Dabei übten sich die Kameraden gleichermaßen in Akribie wie Bescheidenheit. „Eigentlich ist die Wehr deutlich älter. Wir hätten auch schon den 125. Jahrestag feiern können. So fanden wir einen Bericht vom 10. September 1864 über die Anschaffung einer zweiten Feuerspritze. Vom 12. April 1868 liegt eine Rechnung vor, der zufolge der Schmiedemeister Schmidt in Rostock 48 Fuß Hanfspritzschlauch erwarb. Bezahlt hat damals die Gemeinde.“ Doch die Wokerner wollten auf der sicheren Seite sein und legten zu Jahresbeginn das Gründungsjahr auf 1913 fest. Mit einem Beschluss der Gemeindevertretung.
Das erste Spritzenhaus entstand am Dorfplatz. Dort erfolgt morgen die Zeremonie der Fahnenweihe. Gefeiert wird sodann rund um das Spritzenhaus am Klein Wokerner Weg. Dort war 1929 ein Ersatzbau für das alte Haus errichtet worden. Fünf Jahre später musste das allerdings umgebaut werden, denn die Wehr erhielt 1934 ihr erstes Auto. Hugo Voigt senior hatte sich damals für die Anschaffung eingesetzt. Dessen Vater Vollrat Voigt war übrigens 1913 Dorfschulze (Bürgermeister), als die Wehr gegründet wurde. Das Auto verschwand 1945 auf Nimmerwiedersehen. Die SS hatte sich des Fahrzeugs bemächtigt, um sich vor der heranrückenden Roten Armee abzusetzen. Die Sowjets räumten im Mai ’45 das gesamte Dorf und verwandelten das Feuerwehrhaus in eine Sauna.
Aus Spenden der Einwohner konnte erst 1948 wieder ein gebrauchtes Auto angeschafft und für die Zwecke der Feuerwehr aufgebaut werden. Heute verfügt die Wehr über drei Autos und ein modernes Gerätehaus, das 2000 in Besitz genommen wurde. 30 Aktive, darunter zwei Frauen versehen ihren Dienst. Zu Jahresbeginn konnten fünf neue Kameraden aufgenommen werden, drei weitere Aufnahmen stehen im Jahresverlauf bevor, informiert Thomas Krix. „Dann werden wir bald wohl auch über genügend Atemschutzträger verfügen“, blickt er optimistisch voraus.
Zum Fest erwartet die Gemeinde zahlreiche Gäste, insbesondere auch die Kameraden aus der Nachbarschaft. Mit ihnen verbinden die Wokerner viel, denn „gut Dreiviertel unserer Einsätze erfolgen überörtlich. Bis Schlieffenberg und Krakow am See leisten wir Hilfe“, erläutert der Wehrführer. Was er sich für die nächsten hundert Jahre wünscht? „Dass immer alle wohlbehalten von ihren Einsätzen zurückkehren.“

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