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„Finanztest“: Vorsicht beim Pflege-Bahr

Oft ist im Alter eine Pflege unerlässlich. Mit der neuen, geförderten Zusatzversicherung – dem sogenannten Pflege-Bahr – können Verbraucher nur teilweise vorsorgen.  Foto: Angelika Warmuth
Oft ist im Alter eine Pflege unerlässlich. Mit der neuen, geförderten Zusatzversicherung – dem sogenannten Pflege-Bahr – können Verbraucher nur teilweise vorsorgen. Foto: Angelika Warmuth

VonAnja KrügerundFalk Zielke

Pflege ist teuer. Seit Jahres- beginn kann man sich mit einer geförderten Zusatz- versicherung gegen das finanzielle Risiko absichern. Viele Versicherungen haben entsprechende Tarife im Angebot. Doch die Verträge lohnen sich nicht immer.

Hofheim.Bei der staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung gibt es inzwischen eine immer größere Auswahl. Nachdem bei der Einführung des sogenannten Pflege-Bahr zum Jahresbeginn nur wenige Versicherer die Policen verkauft haben, kommen jetzt immer mehr Gesellschaften damit auf den Markt. Schließen Verbraucher einen der nach Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) benannten Verträge ab, schießt der Staat jeden Monat fünf Euro zu. Die Voraussetzung: Die Kunden zahlen jeden Monat mindestens zehn Euro in den Vertrag ein.
Allerdings reichen die Verträge selten, um die finanzielle Lücke zu schließen, wie die Stiftung Warentest herausgefunden hat. Interessant sind die Policen für viele Kunden nicht in erster Linie wegen der Förderung. „Vor allem bereits erkrankte und ältere Menschen haben damit noch eine Chance auf Absicherung“, sagt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen. Denn anders als bei nicht geförderten Pflegezusatzpolicen müssen die Unternehmen allen Interessierten einen Vertrag verkaufen. Die Gesellschaften dürfen weder eine Gesundheitsprüfung vornehmen noch Risikozuschläge verlangen. Die Bundesregierung will so Anreize schaffen, damit Bürger für den Pflegefall vorsorgen.
„Die gesetzliche Pflegeversicherung ist eine Teilkaskoversicherung und nicht dazu gedacht, die kompletten Pflegekosten zu decken“, sagt Heike Nordmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Verbraucher müssen davon ausgehen, dass im Pflegefall ein Teil der Kosten an ihnen hängenbleibt.“ Wie hoch die Lücke sei, hänge von den persönlichen Lebensumständen und den eigenen Ansprüchen ab.

Geförderte Tarife
höher durch Risiken
Der Pflege-Bahr wird von privaten Krankenversicherern in Form der Pflegetagegeldversicherung angeboten. Noch haben nicht alle Versicherer entsprechende Tarife auf den Markt gebracht, die Anzahl wächst allerdings.
Für die Versicherer sei die Kalkulation der Verträge eine große Herausforderung. „Annahmezwang und die fehlende Gesundheitsprüfung machen die geförderten Tarife am Ende durch ihre höheren Risiken teurer als die nicht geförderten“, erklärt Schinnenburg. Für junge und gesunde Kunden könne der Abschluss einer nicht bezuschussten Police günstiger sein, ergänzt Pflegeexpertin Nordmann. Das sieht auch Hermann-Josef Tenhagen so. „Die Angebote der geförderten Pflegeversicherung schließen die finanzielle Lücke im Pflegefall bei weitem nicht“, sagt der Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“. „Da hilft auch die staatliche Förderung von fünf Euro nicht mehr.“
Die Stiftung Warentest hat 17 geförderte Tarife und 23 Tarife ohne Förderung untersucht. „Über 3000 Euro kostet professionelle Pflege oft, wenn man sehr pflegebedürftig ist“, erklärt Tenhagen. Etwa 1500 bis 1800 Euro müssten Betroffene im Monat selbst finanzieren. Das Problem: „Die geförderten Tarife bieten in vielen Fällen nur eine maximale Leistung von 600 bis 700 Euro im Monat.“ Den Rest müssten die Versicherten aus der eigenen Tasche bezahlen.
Besonders die Leistungen bei Demenz sind bei geförderten Tarifen niedrig. Allerdings sind die Beiträge für die Pflege-Bahr-Tarife vergleichsweise günstig. Wie viel Geld Kunden für den Vertrag zahlen, hängt vom Alter beim Abschluss und vom Anbieter ab.Grundsätzlich gilt: Je älter der Kunde bei der Unterschrift ist, desto mehr muss er zahlen. Bei den von der Stiftung Warentest untersuchten Tarifen muss ein 45-jähriger Kunde zwischen zehn und 16 Euro einzahlen. Bei einem 55-Jährigen liegen die Beiträge zwischen 14 Euro und 26 Euro.

Große Unterschiede
bei den Verträgen
Nicht geförderte Tarife sind nach Ansicht der Stiftung Warentest besser geeignet, um die anfallenden Pflegekosten zu decken – auch wenn sie etwas teurer sind. Mit einem Monatsbeitrag von rund 55 Euro für 45-jährige Kunden und 85 Euro für 55-jährige sichern die „sehr guten“ und „guten“ Tarife das finanzielle Risiko in allen Pflegestufen ab. Bei den geförderten Tarifen stellten die Tester allerdings große Unterschiede fest. „Interessierte sollten auf jeden Fall die Angebote der Anbieter vergleichen“, erklärte Heike Nordmann.

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