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Gnoiens ältester Verein regiert über viele Völker

VonEberhard Rogmann

Sanftmut statt Aggression - nicht nur für Menschen gilt dieses Motto. Imker verfolgen dieses Ziel über Generationen. Mit Erfolg.

Gnoien.„Jetzt werden wir zu Millionären.“ Da sind sich Horst Coldewey und Günther Wegner sicher. Auf die genaue Anzahl ihrer Tiere wollen sie sich aber nicht festlegen lassen. Da gebe es nur Schätzwerte, räumen die Imker ein. Rund 50000 Bienen umfasst ein Volk zur Zeit der Tracht. 25 Völker nennt Günther Wegner sein eigen. Horst Coldewey bewirtschaftet derer 15. Bereits als Zehnjähriger hatte er sich für die Imkerei interessiert. Mit zwölf hatte er sein erstes Volk, als 14-Jähriger trat er in den Imkerverein Gnoien ein. Schon drei Jahrzehnte steht er an der Spitze des Vereins, der morgen seinen 130. Geburtstag feiert. Damit zählt er zu den ältesten in der Stadt.
Wobei die Imker ihrem Hobby weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit nachgehen. Große Tierschauen wie bei den Geflügelzüchtern gibt es nicht. Vielleicht ist es diesem Umstand geschuldet, dass die Bedeutung der Imkerei unterschätzt wird. Ihr vorrangiges Produkt, goldgelben Honig, genießen viele. Von der Leistung, die dafür erbracht werden muss, haben die wenigsten eine Vorstellung. „Für ein Glas Honig legen die Bienen eine Strecke zurück, die zweimal um die Erde reicht“, verrät Coldewey. Die Leistung stieg in den letzten Jahrzehnten etwa um den Faktor vier. Heute liefert ein Volk 25 bis 30 Kilo Honig.
Daran haben Züchter wie Günther Wegner ihren Anteil. Er zieht in einem speziell präparierten Kasten 50 Königinnen heran. Ein Zuchtziel ist die Sanftmütigkeit. „Die Bienen sind heute deutlich weniger aggressiv als früher“, versichert er. Geschichten von Killer-Insekten seien deshalb im wahrsten Sinne weit hergeholt. „Sie betreffen zumeist Bienen in Amerika.“ Doch Honig ist längst nicht der einzige wertvolle Rohstoff, den die Bienen liefern. Neben ihrem Wachs erzeugen sie einen speziellen Klebestoff, das Propolis. Das ist eine Art Desinfektionsmittel im Bienenstock, es enthält hochwirksame Stoffe gegen Bakterien und Pilze. Nur wenige Imker unterziehen sich heute noch der Mühe und gewinnen den Weiselfuttersaft, der in der Pharmazie zu Medikamenten verarbeitet wird.
Die Quellen könnten bald ganz versiegen. Den Imkern fehlt der Nachwuchs. Damit droht nicht nur die Vereinstradition abzureißen. Wenn die Bienen aus der Landschaft verschwinden, hätte das für Landwirtschaft und Obstbau spürbare Folgen. „Keinem Geringeren als Einstein wird der Ausspruch zugeschrieben ,Stirbt die Biene, stirbt der Mensch‘“, mahnt Horst Coldewey.

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